Die neuen Gut-Menschen


Facebook –  alles viel zu nett hier?

Ein Blick auf die Riege meiner Freunde auf Facebook. Alles so nette Leute! Kein Wunder, sind ja meine Freunde! Aber im Ernst, so weit man rum kuckt, was immer man liest, alles ist nett, interessant und oft genug überraschend und anregend. (Na ja, fast alles – ich mag Farmville & Co. nicht.) Ich werde den Eindruck nicht los, dass Facebook ein Tool ist, das auf eine ganz kuriose Weise die eher angenehmere Art jedes Menschen zum Vorschein bringt. Es macht nicht bessere Menschen aus uns, aber – mal mutig formuliert – es bringt unsere gute Seite zum Klingen.

Wer kennt das nicht? Eine der eher früheren Erfahrungen in meinem Leben war, wie sehr sich Freunde mit wechselnden Partnern ganz verschieden entwickelten. Mit der einen Freundin waren sie arrogante Dödel, mit der anderen fiese Möppe – und dann plötzlich erlebten sie eine Bekehrung auf ihre beste Seite – mit einer anderen Flamme an der Seite. (Nicht alle sind dann bei der geblieben, komisch!) Es gibt einfach Menschen, die bringen einen dazu, auf der Bandbreite menschlicher Qualitäten, die einem mit in die Wiege gelegt worden sind oder später mühsam dazu erworben sind, die Juwelen, Kristalle und Gemmen zu zeigen, und nicht die dunklen Brocken, das Kryptonit oder andere Giftstoffe.

Und jetzt gibt es eben eine Plattform im Internet, die Ähnliches schafft. – „Ja, ja!“, winken die Facebook- und Web 2.0-Miesepeter da sicher gleich ab. „Alles Heuchelei, alles nur Fassade! Denn wer will denn vor aller Welt seine dunklen Seiten ins Schaufenster stellen.“ Und dann geht es mit den üblichen Vorurteilen und Bedenken weiter: Wenn man dort was Falsches postet, dann begleitet einen das sein ganzes Leben. Arbeitgeber haben nichts Besseres zu tun, als  gnadenlos so lange im Netz zu recherchieren, bis irgendein belastendes Foto zu finden ist. Das falsche YouTube-Video oder die falsche Mucke empfohlen und schon entlarvt man sich psychologisch als labil oder geschmackstechnisch als untalentiert.

Facebook = Digitale Bigotterie?

Ich liebe solch Kritik und Skepsis von Menschen (not!), die kaum selbst mal richtig in die Sozialen Netze reingeschmeckt haben, ganz zu schweigen, dass sie sich ernsthaft darauf eingelassen und vielleicht sogar so etwas wie digitale Euphorie zugelassen haben. Die wollen vielleicht einfach nicht, dass Facebook ihre guten, schönen, sympathischen, netten Seiten betont. Schränkt ja auch sehr ein, zugegeben. Ich jedenfalls finde es eine echte Befreiung, meine positive Seite zu zelebrieren.

Das alles hat mit Heuchelei oder digitaler Bigotterie nichts zu tun. Ein faszinierendes Phänomen ist, dass Netzwerke automatisch dazu neigen, gute Stimmung zu verbreiten. Während es in analogem Ambiente wie S-Bahnen, Warteräumen, Büros oder Kneipen durchaus gelingen kann, eine ganze Fahrt, einen ganzen Tag oder einen ganzen Abend lang nur zu mosern, zu klagen und schlechte Stimmung zu verbreiten, funktioniert das in Netzwerken so gar nicht. Stimmungsmuffel und Miesepeter haben hier auf die Dauer keine Chance. Sie vereinsamen schnell. (Hide-Button sei dank!)

Gerade Facebook ist eigentlich eine einzige große Überraschungs-, Wunder- und Lernmaschine. Dort (und natürlich auch bei Twitter) werden die außergewöhnlichen Momente mit den Freunden geteilt. Fotos, Videos, Links, Ideen, Aphorismen und Sinnsprüche. In den besten Fällen entwickeln Facebook-Poster eine ihnen eigene Poesie in ihren Texten und Fotos. Andere setzen witzige Akzente, wieder andere sind echt euphoriebegabt. In langen Kommentarketten entstehen im besten Fall regelrechte Satire-Perlen – oder auf der ernsten Seite echt hilfreiche Initiativen. Wenn das eine Vorahnung davon ist, wie eine künftige Kultur und der Umgangston der Digital Natives aussehen könnte. Wunderbar.

Die wundersame Welt der Digitalität

Eine andere Sorge formuliert aktuell der Elektrische Reporter im ZDF. In seiner Folge über Digitale Identität wird sich um das Wohlbefinden des hybriden Menschen in sozialen Netzwerken gesorgt. Welche Aspekte seiner vielen Seiten soll ein moderner Mensch aus seiner widersprüchlichen Mixtur von gesellschaftlichen Rollen auf Facebook zeigen? Eine kuriose Sorge. Es macht gerade den besonderen Charme einer Facebook-Identität aus, wenn diese vielschichtig und speziell ist, gerne auch widersprüchlich. Welch ein Irrtum, wenn man Authentizität mit einem monolithischen, vermeintlich klaren Persönlichkeitsbild verwechselt. Oder was für eine kuriose Sorge, dass bei Facebook die „Trennwände zwischen unseren Identitäten“ einstürzen.

Abgesehen davon, dass hier Rollen mit Identitäten verwechselt werden, wird hier überholtes und seit je nur künstliches ein Menschen- und Identitätsbild gezeichnet, wie es die Werbebranche seit Jahrzehnten als Karikatur der Wirklichkeit entwickelt hat. Der vielbesungene Gourmet, der auch mal zu McDonald geht. Das Fashion-Victim, das auch mal bei H&M einkauft. Das waren künstliche Pappkameraden, die – durchaus erfolgreich – an die werbende Industrie verkauft wurden. Aber das korrelierte nie so recht mit den Erkenntnissen aus der aktuellen Psychologie, Sozio-Psychologie oder mit modernen Identitäts-Theorien. Und das charakterisierte wohlgemerkt Menschen in analogen Zeiten und Welten.

Wie das einmal – und diese Zeit kann schon sehr bald losgehen – in einer digitalen Welt aussehen wird, das kann man heute nur in Ansätzen erahnen. Keine Angst, es wird nicht übermäßig cyberhaft aussehen. Das gerade lassen Facebook und Twitter heute schon erahnen. Da herrscht keine TRON-hafte Kälte und keine Cyberpunk-Düsternis, sondern eher erfrischende Offenheit, Konstruktivität und kraftvolle Kreativität. Immerhin erkennt auch der Elektrische Reporter, dass widersprüchliche Menschen nicht mehr in ihrer Widersprüchlichkeit auffallen, wenn jedermann widersprüchlich ist, weil wir nun mal alle widersprüchlich sind – und vielschichtig.

Und das ist der Reichtum, den Facebook zu Tage bringt – und dessen Schätze er täglich schürft. Aus uns – für uns.

Schwarze Sheriffs reloaded


Investigativer Journalismus – Old School 

Es gibt die kleinen Siege in einer journalistischen Karriere. Dies hier ist genau ein solcher. Ich muss der Post-80er-Generation erklären, wer und was die „Schwarzen Sheriffs“ waren. Der Sieg? Sie sind heute Geschichte, man muss sie erklären! 

Michael Konitzer (l.) und Fidelis Mager 1983

 

Die Schwarzen Sheriffs waren ein komplett in schwarzer US-Cop-Montur auftretender, voll bewaffneter, privater Sicherheitsdienst, der in München lange Jahre in städtischem Auftrag in der U-Bahn, im Olympiapark und u. a. um die bayerischen Atomkraftwerken herum patrouillierten. 

Die paramilitärisch trainierte und organisierte Truppe sorgte immer wieder für Zwischenfälle und Skandale bei Übergriffen auf Penner und durch übermäßige Brutalität gegenüber Jugendlichen. Nicht zuletzt wurde auch Schusswaffen-Missbrauch – aus Langeweile – kolportiert. Aber die Schwarzen Sheriffs waren nicht nur deswegen ein „schwarzes“ Tuch. Sie erlangten als Muster für ein umstrittenes privates Sicherheitsunternehmen bundesweite Berühmtheit, besser Berüchtigtheit. Ein Reizthema der post-terroristischen, grünbewegten 80er-Jahre. 

All das natürlich genug Anlass für eine sich kritisch verstehende (Münchner) Stadtzeitung, sich dieses Themas anzunehmen. Um von den normalen, letztlich wenig ergiebigen Archiv-Artikeln wegzukommen und einen eigenen Zugang zum Themenkomplex zu bekommen, hatten wir in der Redaktion in bester Sponti-Manier (Achtung, wir schreiben das Jahr 1983!) auf die Idee, uns selbst als Schwarze Sheriffs zu kostümieren und so „ausgestattet“ auf Patrouille durch München zu gehen. 

Gedacht, getan. Fidelis Mager und ich als Chefredakteur mussten da selbst ran, wir hatten schließlich auch die Idee. Der größte Kostümverleiher der Stadt half uns auf kreative Weise weiter. Schirmmützen der Bundesbahn z.B. wurden schwarz umgefärbt, die Bewaffnung perfekt improvisiert, beispielsweise mit einem schwarz gefärbten Stück Holz, das gar nicht schlecht einen Pistolengriff simulierte. 

So marschierten wir dann zu verschiedenen Gelegenheiten durch das Zentrum Münchens und erlebten ein Stück Realsatire, wie wir sie uns selbst nicht erwartet hatten. Wir erlebten die einschüchternde Wirkung von Uniform und Patrouillen-Attitüde und die kleine Faschistoidität einer Großstadtgesellschaft (der 80er-Jahre) samt Polizeieinsatz gegen die (selbsternannten) Ordnungshüter. 

Link zur Original-Story 

Die komplette Story würde das Format dieses Blogeintrages sprengen. Daher habe ich die komplette Originalstory aus der Novemberausgabe 1983 der Münchner Stadtzeitung hier auf „The Difference“ gepostet. – Viel Spaß beim Lesen! 

Die Geschichte machte Furore. Erstmals berichtete auch die etablierte Presse über diese selbsternannten Journalisten der Alternativ-Presse. Die Auflage stieg, der Mut des Verlegers Arno Hess, der die Geschichte von Anfang an unterstützt hatte, wurde belohnt. Zudem bekamen wir viel Leserecho. Viele neue interessante Episoden von Fehlverhalten der Schwarzen Sheriffs wurden kolportiert. Vor allem aber meldeten sich nun (meist ehemalige) Mitarbeiter der Schwarzen Sheriffs und packten über die Missstände in dem Unternehmen aus. 

Juristisches Nachspiel 

Die Geschichte hatte noch ein kurioses juristisches Nachspiel. Fidelis Mager und ich wurden von der Stadt München, konkret vom damaligen Kreisverwaltungsreferenten (und sich heute gerne links gerierenden CSU-Bundestagsabgeordneten) Dr. Peter Gauweiler verklagt. Eine Verurteilung gestaltete sich mangels geeigneter Gesetze und unserer Vorsicht (keine Waffen) als relativ kompliziert. 

Letztlich wurden wir in erster Instanz wegen unberechtigten Tragens einer Berufsuniform (dabei wurden als Beispiel die Uniform der Taxifahrer und Hotelportiers genannt!) zu einer Geldstrafe verurteilt. In zweiter Instanz wurde das Urteil in eine Geldstrafe auf Vorbehalt (= Bewährung) abgemildert. Der Staatsanwalt entschuldigte sich danach bei uns Verurteilten, dass er das leider auf Druck von oben hatte verfolgen müssen. 

Noch Jahre später wurde ich immer wieder auf die Geschichte angesprochen. Sogar im Urlaub am Strand auf einer einsamen griechischen Insel: „… bist du nicht? …“ Dieses Stück investigativer Journalismus war nicht nur komisch und sonderbar, sondern traf wohl genau den Zeitgeist von damals. 

Und die Story hat bis heute ihre ganz spezielle Rezeptionsgeschichte. Ein häufiger Suchbegriff, mit denen Leser auf „The Difference“ kommen, ist „Schwarze Sheriffs“. Grund genug, diesen Artikel aus der vor-digitalen Zeit hier digital verfügbar – und findbar – zu machen.

Biografische Exit-Strategien


Das Dilemma – wie kommt man aus der Nummer raus?

Einer meiner Lieblingsautoren, wenn es um Action-Filme in Buchform geht, ist Lee Child. Perfekt, wie er das Format seines Helden Jack Reacher und seiner Romane gestaltet hat. Innerhalb dieses klar gesteckten Areals lässt er dann seiner Phantasie und seinem Einfallsreichtum freien Lauf.

Lee Child beschreibt seinen Schreibstil so: Er erfindet eine spannende, außergewöhnliche Situation, in die er seinen Helden aussetzt. Dann lässt er der Geschichte bis zur Mitte des Romans ihren Lauf (und dabei viel Fahrt aufnehmen), und die zweite Hälfte der normalerweise 500 bis 600 Seiten verwendet er dann darauf, einen sinnvollen und befriedigen Schluss zu finden. Normalerweise gelingt es ihm ganz gut, dass sein Held gut aus der Nummer, die ihm sein Autor eingebrockt hat, heraus kommt.

Im realen Leben ist das nicht so einfach. Wer sich da ein falsches Drehbuch geschrieben hat – oder hat schreiben lassen – für den kann es sehr schwer werden, aus seiner Nummer wieder herauszukommen. Exemplarische Beispiele finden sich gerade zuhauf: Riekel, Amerell, Westerwelle… Das Dilemma ist, dass es in der Medienwelt von heute kaum mehr brauchbare Exit-Strategien gibt für Menschen, die sich heillos verrannt haben. Die simpelste und glaubwürdigste Lösung verbietet sich leider von selbst, einfach zu sagen: „Sorry, ich habe mich geirrt!“ Oder: „Wir haben verstanden!“

Es ist ja kein Zufall, wenn jemand in eine prekäre Position (inhaltlich, nicht institutionell) geraten ist. Entweder hat er eine andere Agenda als die Mehrheit der Journalisten – oder schlimmer der Menschen, draußen im Lande. Griffiges Beispiel ist Westerwelles Versuch, die Umfragewerte mit Angriffen auf Hartz IV zu verbessern. Ganz grausam ist es, wenn der Zeitgeist sich so markant dreht, dass es Beteiligte in ihrer Binnenwahrnehmung nicht mehr mitbekommen. Schönes Beispiel Riekel und ihre juristische Replik an Künast. Es geht eben nicht mehr um das verbriefte Recht, mit glitschigen Liebesstories Auflage zu machen, sondern um einen desaströsen Imageverfall von Journalismus und eine schlimme Banalisierung von Politik.

Drei Stationen U-Bahn-Fahrt

Und es kommt noch die persönliche Komponente hinzu. Politiker, Journalisten und Medienprominenz leben alle in einem unguten Kokon, der eine vernünftige Selbstwahrnehmung fast unmöglich macht. Guido Westerwelle missversteht die Zustimmung einer BILD wohl tatsächlich als Lebenswirklichkeit.

Tom Schimmeck bringt das Problem im Interview im aktuellen „Journalist“ (leider – und bezeichnenderweise nicht online!) auf den Punkt: „Wirklichkeitskontakt? Regelmäßige Ausflüge drei, vier Stationen mit der U-Bahn in eine beliebige Richtung? Das wäre ein Anfang, für den man Zeit aufbringen müsste.“ Eine leider nicht mehr praktizierte Exit-Strategie. Da sind schon die Bodyguards vor. (Der letzte passionierte U-Bahn-Fahrer in der Politik war wohl Hans-Jochen Vogel.)

Das zweite Problem ist die psychologische Komponente. Politiker, Journalisten und Medienprominenz stehen ja nicht zufällig im Rampenlicht. Sie wollten ja dort hin. Entsprechend ist ihre psychische Grundausstattung: narzisstisch bis hoch-narzisstisch. Und für einen Narzisst bricht per definitionem eine Welt zusammen, wenn er einen Fehler eingestehen müsste. Falsch: er kann ja gar keine Fehler machen, weil ja großübermächtig. Die Welt ist falsch, nicht er selbst. Aber die Idee, dass sich die Welt ändert, nur damit ein selbst-gerechter Mensch recht behalten darf, ist auch keine gangbare Exit-Strategie.

Ich habe einmal in meinem Leben das Vergnügen gehabt, Jörg Haider zu interviewen. Ich war dafür wohl so gut vorbereitet wie noch zu keinem Interview zuvor. Und ich kann nicht behaupten, dass ich in dem Interview gewonnen hätte. Man kann keinen Pudding an die Wand nageln – und keinen rechten, liberalen Populisten auf eine Position festlegen, um von dort aus mit ihm zu streiten. Die Weltlage ist für solche Menschen ein Konstrukt, das je nach Bedarf und Laune interpretiert werden darf.

Die Frage an Haider, auf die ich vorweg am meisten stolz war, lautete so. „Wenn Sie, Herr Haider, in Afrika geboren wären oder auf dem Balkan, so fit und ehrgeizig wie Sie sind, Sie wären doch der erste, der sich auf den Weg macht, illegal in Europa einzuwandern!“ Haiders trockene Antwort: „Genau vor denen müssen wir uns hier in Europa schützen!“ – Eben.

Die letzte Hoffnung: Genscher oder Neo

Wie also könnte eine funktionierende Exit-Strategie aussehen? Irgendwelche Peinlichkeiten von wegen „Missverständnis“ oder „missverstanden“ schließen sich längst aus. Auch die beliebte Medienschelte ist ab einem gewissen Punkt nicht mehr glaubhaft: …falsch interpretiert worden…“. Der Gang nach Canossa ist (für Narzissten) sowieso nicht gangbar. Bleibt als einzige Hoffnung Hilfe von außen. Bei Westerwelle: bitte, heiliger Dietrich (Genscher), hilf! Bei Riekel könnten ja Spin-Doktoren des Burda-Verlages hilfreich einschreiten. Bei Amerell? Schwierig, nachdem Kerner jetzt schon mal ausfällt. Collina?

In Filmen, die aus einem Plot nicht mehr vernünftig herausfinden, ist ja der Trick sehr beliebt, dass der Held am Ende aus seinem Alptraum, den er die 90 Minuten zuvor gehabt hat, aufwacht. Fragt sich, wer weckt uns? Neo, Ihr Einsatz bitte…

Berufskrankheit Zynismus


Die „Bunte“ und ihre Politikerüberwachung

Der Journalismus fördert allzu oft eine schlimme Gemütskrankheit: den Zynismus. Definieren wir diese Berufskrankheit hier einmal als fatale Wirkungskette einer
●  rabiaten Entwertung aller Werte
●  diebischen Freude über die daraus entstehende Freiheit
●  Missbrauch dieser zur Gewinnung skandalöser bis komisch-absurder Situationen
●   und das ohne jeden Versuch eines irgendwie gearteten neuen Werteüberbaus. – Es sei denn, man will eine Auflagenzahl oder damit verbundenes Renommee oder Gehalt als Wert missverstehen.

Ich tue mir leicht, über Zynismus zu schreiben. Ich war auch schon schwer von dieser Mismundialität angekränkelt. Ein verständlicher Kollateralschaden in einem Berufsstand, der sein seelisches Gleichgewicht zwischen Urzweifel (das leere Blatt) und Hybris und Narzissmus (das gefüllte Blatt) zu finden hatte. Und in einer vor-Digitalen Zeit, als man noch Texte linear per Stift oder Schreibmaschine zu Blatt zu bringen hatte, war der Triumph eines gelungenen Textes immens. Und er wurde nie von irgendwelchen Nutzungszahlen, Bewertungen oder gar User-Kommentaren geschmälert. (Das ist erst heute der Fall und ein massives Problem für alle Berufs-Zyniker.)

Der zweite große Auslöser von Zynismus ist die tiefe Enttäuschung und die herbe Frustration, dass man als Journalist so oft mehr weiß als man schreiben darf oder kann. Weil politischer Druck entgegen steht, persönliches Desinteresse eines Vorgesetzten, die Recherchelage zu dünn ist – oder schlicht das Publikum (angeblich) nicht daran interessiert ist. Daran geht schnell einmal der glühendste Idealist – buchstäblich – vor die Hunde. (Zynismus leitet sich vom altgriechischen κυνισμός ab und meint „Hündischkeit“ – oder etwas charmanter „Bissigkeit“.)

Ich habe recht – und du bist doof

Das einzige halbwegs wirksame Mittel gegen diese Gemütsverkümmerung ist die Recherche. Je besser und je erfolgreicher sie ist, desto besser kann man Fakten sprechen lassen und um so weniger muss man Meinungshuberei betreiben. Auffallend ist, dass die besten und fleißigsten Rechercheure selten Zyniker werden. Wer es mit der Recherche nicht so hat, dem bleibt dann nur die gepflegte Hybris und dessen häßliche Schwester Zynismus.

Kurt Kister, der Großmeister des reflektierten Zynismus, hat so unrecht nicht, wenn er, wie jetzt in der SZ am Wochenende, sich selbst zitiert: „Irgendjemand, es könnte der Autor dieser Kolumne gewesen sein, hat einmal gesagt, „Politik“ komme aus dem Griechischen und bedeute auf Deutsch so viel wie „ich habe recht“, wohingegen „Feuilleton“ aus dem Französischen stamme und sinngemäß übersetzt „ich habe recht und du bist doof“ heiße.“ – Leider trifft letzteres beileibe nicht nur auf Feuilleton-Journalisten zu, sondern auf eine valide Grundmenge, vor allem der Edelfedern.

Die hohe Schule der Recherche und ein besonders geeignetes Gegenmittel zum Zynismus ist der investigative Journalismus. Auch den habe ich ja lange Jahre betrieben und nicht nur für hehre, schwere  Themen, sondern bisweilen auch zum Amüsement aller Beteiligten, Journalisten und Leser. Aber immer steckte bei diesen Recherchen unter Einsatz der eigenen Person wenigstens ein Mehr an aufklärerischem Ehrgeiz als zynischem Vergnügen. Vor allem aber war damals – in den 80-ern und 90-ern – die Tabuzone klar definiert: die Privatsphäre der Recherche-„Opfer“. Nur was wirklich gesellschaftlich – oder nennen wir es „politisch“ – relevant war, wurde auch geschrieben, alles andere (und das war viel!) blieb unter Verschluss.

Politik mit A-Politischem

Aus dieser Position entsetzt die Recherchepraxis der „Bunten“. Da wird ganz gezielt nur im Privatleben recherchiert – und das dann auch noch an Detektive outgesourct. Die können ja gar nicht irgendwelche inhaltliche, sprich journalistische Relevanz einschätzen. Sollten sie wohl auch nie. Es ging nur um Bettgeschichten und deren vermeintliche Leserattraktion.

Wir wissen, wie gerne und erfolgreich mit Bettgeschichten Politik gemacht wird. Ein seriöser Politiker wie Theo Waigel wird so ganz berechnend abgeschossen, ein nicht so seriöser wie Horst Seehofer zumindest angeschossen. Willy Brandt ist der Jagdmeute nur durch Rücktritt entkommen. Andere haben ganz kregel überlebt: Gerhard Schröder, Joschka Fischer oder auch Christian Wulff.

Darum geht es der „Bunten“ aber wohl kaum. Hier werden viel mehr die schon fast pubertären Erotik-Phantasien verklemmter Medienmacher ausgelebt. Wer sich mal ein paar Tage im Kreis verdienter Journalismus-Kollegen bewegt, bekommt massenhaft Tatsachen und Fakten erzählt, die bei Licht besehen nur Tratsch und Gerüchte sind. Der treibt es mit der, diese mit jenem. Der ist schwul und diese Lesbe. Diese Ehe ist im Eimer, jener ist jener hörig. Und alles ist so belanglos, und wenn es denn stimmen würde, dann nur reinste Privatsache der Beteiligten.

Die Idee, dass Oskar Lafontaine etwas mit Sarah Wagenknecht haben könnte, ist solch ein typischer Wunschtraum permapubertierender Berufszyniker. So sehr Klischee, dass es weh tut: die Linke, ein Sündenpfuhl! Solche Dümmlichkeiten verbietet sich mindestens seit den 60-er Jahren selbst die CDU ! Und selbst wenn es wahr wäre, so what? Wenn einer nie einen Hehl aus seiner Genussfreude gemacht hat, dann Oskar. „Und das ist gut so!“ – um es mal mit Klaus W. auszudrücken.

Aber der Verdacht liegt schon nahe, dass hier die „Bunte“ hunderttausende von Euro für inhaltliche Banalitäten einer Liaison, und sei sie erotisch, ausgegeben hat, damit vielleicht anderswo mit diesen Fakten, Fakten, Fakten Politik zu machen versucht wird. Die Attacke des „Stern“ zielt doch sicher nicht nur auf ein so niedliches journalistisches Schoßhündchen, wie es die „Bunte“ nun mal ist. – Ach ja, apropos Zynismus, das Hündische – ist es nun schon so weit? Dog eat dog!

Bullshit / Unendlichkeit / Dummheit


Über die Dummheit

Meine Erinnerung an Robert Musil machte mich auf ein kleines Pamphlet aus seiner Feder aufmerksam: „Über die Dummheit“ (Alexander Verlag Berlin). Ein Abdruck einer Rede, die Robert Musil 1937 (!) vor dem Österreichischen Werkbund gehalten hat. Es ist die Ausformulierung seines 1931 formulierten köstlichen Bonmots: „Wenn die Dummheit nicht dem Fortschritt, dem Talent, der Hoffnung oder der Verbesserung zum Verwechseln ähnlich sähe, würde niemand dumm sein wollen.“

Das Büchlein, gerade mal 63 knappe, in großen Lettern gedruckte Seiten dick, liest sich teilweise amüsant – und hält einige Perlen bereit. Etwa die Schilderung einer damals wohl bekannten Dame, deren Beschränktheit Musil so beschreibt: „Sie spricht viel von sich, und sie spricht überhaupt viel. Sie urteilt sehr bestimmt und über alles. Sie ist eitel und unbescheiden. Sie belehrt uns oft. “ Es muss der Zeitgeist sein, der mir bei dieser Beschreibung das Bild eines Mannes mit gelben Haaren vor Augen brachte.

Das Gefühl von Unendlichkeit

Und hier fällt mir spontan mein Lieblingszitat von Ödön von Horvath ein: „Nichts vermittelt einem so sehr das Gefühl von Unendlichkeit, wie die Dummheit.“ Eine Beobachtung, die Horvath mit Albert Einstein teilt. Dessen Seufzen über menschliche Denkdefizite klingt ähnlich: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit; aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“

Das Schlimme an der Dummheit des 21. Jahrhunderts ist, dass die Dummheit immer lauter wird. Da keiner mehr als dumm gelten will (siehe Musil weiter oben), wird alles dafür getan, nicht dumm zu wirken. Lautstärke scheint da immer ein geeignetes Mittel zu sein. Dummerweise fällt Dummheit um so mehr auf, je lauter sie daher kommt. Und auch der Versuch, dann wenigstens die Rolle eines weniger Dummen spielen zu wollen (siehe hierzu „Darsteller der Wirklichkeit“), funktioniert sehr selten. Eine falsche Geste, ein falscher Mucks, und schon platzt der Ballon der Mimikry .

Notorische Dummheit

Mein Plädoyer geht bei diesem Thema aber in eine andere Richtung. So wie wir gelernt haben, dass es nicht die Intelligenz, sondern eine riesige Bandbreite davon gibt: emotionale Intelligenz, soziale Intelligenz, mathematische, geometrische, memnotische und was es sonst noch alles gibt – so sollten wir auch bei der Dummheit solch kluge Kategorisierungen vornehmen. Soziale, finanzpolitische, politische, strategische, notorische, emotionale Dummheit etc. – Und da kommen wir ganz schnell im Bereich der menschlichen Unreife an. Genauer gesagt, zu meinem Lieblingsthema Narzissmus.

Diese in pubertären Zeiten absolut sinnvolle, später aber für die (Um-)Welt eher schmerzhafte Persönlichkeitsstörung ist für mich heute der Ursprung der allerschlimmsten Dummheiten. Der Allmachtsgedanke des Narzissten schaltet von vornherein allen Zweifel und alle Reflexion aus. Beste Voraussetzungen für Dummheit jeden Kalibers. – Am häufigsten findet man das dort, wo Narzissmus berufsbedingt vorkommt, wo Macht per se das vorrangige Berufsziel ist. Im Top-Management und vor allem in der Politik. Dort lässt man sich ja hinwählen, weil man berufsmäßig immer recht hat.

About bullshitting

Wer dieses Thema vertiefen mag, dem sei folgende kleine Perle geschliffenen Philosophie-Unsinns empfohlen: „On Bullshit“ (Princeton University Press) von Harry G. Frankfurt, einem emeritierten Philosophie-Professor der Princeton University. Seine Analyse des Bullshitting bei Politikern ist sehr präzise: „Bullshit is unavoidable whenever circumstances require someone to talk without knowing what he is talking about. Thus the production of bullshit is stimulated whenever a person’s obligations or opportunities to speak about some topic exceed his knowledge of the facts that are relevant to that topic. This discrepancy is common in public life…“

Professor Frankfurt bietet auch leider nur wenig Trost. Ernsthaftigkeit als Heilmittel gegen Bullshitting ist für ihn auch keine Lösung: „Sincerity itself is bullshit!“ Und selbst Konfuzius hilft hier nicht recht weiter. Zitat: „Nur die Weisesten und die Dümmsten können sich nicht ändern.“

Das tiefe Tal des gedanklichen Mülls

Jetzt hat sich zudem mein Lieblings-Blog „ribbonfarm“ mit dem epochalen Werk von Harry G. Frankfurt auseinandergesetzt. Natürlich aus aktuellem – amerikanischem -Anlass. Denn die Masse an Bullshit, von lautem, ja offiziellem und machtvollen Bullshit war noch nie so groß wie heute. Der Versuch eines Trosts ist da sehr speziell: Vielleicht müsse man erst ein tiefes Tal von Bullshit (und Fake News) durchwaten, bis man neue Höhen von Wahrheit und Brillianz erleben darf.

Auch Musil tröstet am Ende seiner Rede über die Dummheit: „…einen Schritt (weiter) und wir kämen aus dem Bereich der Dummheit, der selbst theoretisch noch abwechslungsreich ist, in das Reich der Weisheit, eine öde und im allgemeinen gemiedene Gegend.“ Also amüsieren wir uns halt weiter wie doof…

Mann ohne Gedankenstriche


Innehalten bei Robert Musil    

Manchmal holt einen die Vergangenheit auf kuriose Weise ein. Zum Beispiel ganz spät nachts im Bett, im Warten auf dass der Schlaf kommt. (Was schreibt man auch noch so spät des Nachts am Blog!) Noch kurz nachsinnend über die Möglichkeiten, die die PC-Tastatur uns bietet, um (positive!) Emotionen ausdrücken zu können (siehe dazu Emotionen in Bits & Bytes 2). Da kommt als Flash aus längst vergangenen Zeiten, am Anfang meines Germanistik-Studiums, die längst verschollene Erinnerung an eine Proseminararbeit. Thema: Die Rolle des Gedankenstrichs in Robert Musils Über-Roman „Mann ohne Eigenschaften“.    

Kurfürstendamm 217, Berlin

Die Arbeit selbst ist längst bei diesem oder jenem Umzug im Orkus der Münchner oder Hamburger Müllabfuhr verschwunden. Den Roman habe ich mittlerweile wohl schon vier Mal oder öfter nachgekauft. (Das letzte Mal, informiert mich Amazon, im Mai 2004.) Irgendwie ist der Roman ein schönes Geschenk, wenn man einem guten Freund einen kleinen Tipp zu seiner Lebensführung geben möchte. Ich zitiere Adolf Frisé, wie er Ulrich, den Mann ohne Eigenschaften schildert: „Anfang Dreißig, sportlich trainiert, Mathematiker, Philosoph, ein sich passioniert in Frage stellender Nicht-Held…“    

Robert Musil gebraucht in seinem Roman den Gedankenstrich sehr ausgiebig – und vielfältig. Er liebt Parenthesen, Gedankeneinschübe. Dabei unterscheidet er, ob er vor und nach dem Gedankenstrich eine Leerstelle lässt oder nicht. Entsprechend atemlos oder überlegt ist der Gedanke in der jeweiligen Situation des Romans. Es gibt aber auch den doppelten Gedankenstrich: “ – – “ und sogar den dreifachen „- – -“ Und das in verschiedenen Sperrungen. Das sind „Leerstellen“ im Leben des Nicht-Helden, des Helden ohne Eigenschaften, ein Innehalten. (Auch so ein fast schon verschollener Begriff in unserer voll beschleunigenden Zeit…)

Leider ist solch ein Spiel mit Gedankenstrichen viel zu „literarisch“ und zu subtil, um im Web oder gar in Social Media Einzug zu halten. (Außerdem gibt die verbreitetste Blog-Software eine Unterscheidung zwischen Binde- und Gedankenstrich gar nicht her.) Aber als Stilmittel wäre so etwas durchaus eine schöne Option. Schließlich sind Denken und Gedanken ein wertvolles Gut, das es gerade auch in Blogs zu pflegen gilt – – -.    

Spiel mit Sonderzeichen    

Und das fiel mir dann da im Bett noch ein: Sind die Gedanken etwas tiefgründig, oder gar unterirdisch, könnte man eigentlich treffend den Underscore einsetzen: „_ _ _“. (Die gab es zu Musils Zeiten so noch nicht.) Verbotene Unziemliche Gedanken oder zynische satirische Versprecher kann man natürlich wunderbar durch die Durchgestrichen-Funktion inszenieren. (Perfekt angewandt immer wieder von Dieter auf www.11tech.de.)    

Bleiben als weitere Stilmittel in der Textwelt noch einige schöne Sonderzeichen: „¶“ etwa, das Breakzeichen. Das wäre doch prima zu setzen, wenn man einen stupenden Gedanken hat – oder argumentativ gegen eine Wand läuft. Sehr brauchbar ist als Facebook-Kommentar vielleicht auch auch das Cent-Zeichen „¢“, wenn etwa ideelles Kleingeld verteilt wird, sprich kleingeistig argumentiert wird. Und das spanische Initial-Fragezeichen „¿“ könnte doch beispielsweise ganz brauchbar hoch fragwürdige Bemerkungen oder Argumente kommentieren.    

Fehlt aber immer noch ein geeignetes Symbol für wirklich hochpositive Momente oder die von mir so geschätzte Euphorie. ¿Warum stellen die Spanier nur bei Fragesätzen das umgekehrte Fragezeichen dem Satz voran? ¿Warum haben sie nicht das umgekehrte Ausrufezeichen erfunden? Das wäre doch eine elegante Lösung, subtil Freude auszudrücken. – – – Die einzige Option, die mir nach ausführlicher Durchsicht der verfügbaren Sonderzeichen als Möglichkeit erscheint, ist das „e“ mit lustigem Hütchen obendrauf: „ĕ“. Das gibt es auch als Großbuchstaben, passend etwa für ganz große Euphorie: „Ĕ“.    

Na ja, um das mal cool mit Robert Musil zu kommentieren: „ –   –   –

Emotionen in Bits & Bytes 2


Gefühle in Social Media

Eine der schönsten Erfindungen in Facebook finde ich den „Like“-Button. Er ist so vielseitig nutzbar. Er kann alle Facetten von positiver Zustimmung ausdrücken. Von „Ich-habe-es-gelesen“ über „Jawoll!“ über „Ganz-meine-Meinung“ bis zu „Applaus-Applaus-Applaus“. Wäre Facebook eine Erfindung deutscher Medienmacher, wäre der „Like“-Button nie erfunden worden, sondern wohl eher ein „Finde-ich-doof“-Button. Dabei ist in komplexen, chaotischen Zeiten mit genug Kränkungen und Niederlagen im Alltag nichts wichtiger als solch schönes virtuelles Schulterklopfen.

Aus genau dem Grund finde ich die Facebook-Initiative, einen „Dislike“-Button einzuführen, völlig deplatziert. Abqualifikation ist so viel leichter als eine Affirmation. Speziell in Deutschland stellt man sich durch eine explizite Unterstützung einer Sache viel eher ins Abseits als durch eine knackige Abqualifizierung. Auffällig ist ja, wenn man die Nutzung deutscher User der Social Media ansieht, dass das aktive Posten von Inhalten im internationalen Vergleich eher unterentwickelt ist. Wo wir Deutschen gut im Social Net sind, das ist beim Kritisieren und Bewerten. Da sind wir im Vergleich weltführend.

Warum das so ist? Das mögen Psychologen herausfinden. Mir geht es, wenn es um Psychologie geht, um andere Dinge. Da bin ich Mihaly Csikszentmihalyi, dem populären Psychologen und Autoren von „Flow – The Psychology of Optimal Experience“, ewig für eine Neujustierung meines Denkens dankbar. (Anderen natürlich noch viel mehr!)

Ich hatte einst das Glück, als Chefredakteur von „Europe Online“ beim Publishers Dinner von Hubert Burda am Tisch gegenüber von Csikszentmihalyi platziert zu werden. Seine sympathisch brummelige Stimme erklärte mir seine Wandlung als Psychologe ganz einfach: „Irgendwann interessierte es mich nicht mehr, immer nur die schwierigen und gestörten Aspekte der menschlichen Psyche zu analysieren. Die menschliche Psyche hat doch so viele positive Aspekte. Irgendwann habe ich für mich beschlossen, mich nur noch diesen zu widmen.“ Diesem Paradigmenwechsel haben wir seine Bücher zum Glück und zur Kreativität zu verdanken.

Komplexe Gefühle per Mouseclick

Und genau darum sollte es auch bei erfolgreichen Social Media Networks gehen. Das ist das Feld gegenseitiger menschlicher Ermunterung, nicht der Ort, sich gegenseitig herunter zu ziehen. Daher meine Freude über den „Like“-Button. – Aber eigentlich ist das nicht genug.

Letzthin musste ich realisieren, dass einer meiner Freunde allzu oft seinen Heimatort – und seine Eltern besuchte. Da ging sichtlich ein Leben zu Ende, ein großer Abschied stand an. Eine Situation, in dem der „Like“-Button absolut fehl am Platz war. Aber allzu gerne wäre ich in dieser Situation mit einer kleinen Gest zur Seite gestanden. Ich weiß noch zu gut, wie hilfreich jedes noch so kleine Signal von  Unterstützung für mich war, als ich meine Mutter auf ihrem letzten Weg begleiten musste/durfte. Schön wäre ein „Ich-bin-bei-Dir“-, ein „Ich-denk-an-Dich“-Button. Oder wie sonst kann man so etwas ausdrücken? Die Standard-Tastatur unserer PCs versagt da mit geeigneten Symbolen. Und die eher kindischen Emoticons verbieten sich hier genauso. (Das einzige, was mir bislang dazu eingefallen wäre, ist: „[ ! ]“ im Kommentarfeld.)

Wie man kreativ die Statusmeldungen für andere als Ego-Zwecke „miss-„brauchen kann, zeigte die BH-Kampagne für Brustkrebsopfer. Nur war die Idee, lapidar die Farbe des aktuell getragenen BHs zu posten, dann doch etwas allzu intim und missverständlich. Ich freue mich auf alle Fälle auf alle kreativen Ideen, um in Statusmeldungen komplexere (positive!) Emotionen oder auch Solidar-Gesten geben zu können. Ob man kondolieren will oder trösten oder ermuntern. Oder man will Solidarität ausdrücken oder ein Charity-Projekt bewerben. Nicht immer trifft man da den richtigen Ton im SMS-Modus. Da gilt es, neue Ideen zu entwickeln, wie das mit kürzeren Signatur-Gesten möglich wäre.

Just press: Euphoric!

Mein größter Traum jedoch ist es, im Web auch immer wieder mal meiner Euphorie Ausdruck geben zu können, Euphorie mit anderen zu teilen – und mit ihr vielleicht auch andere anzustecken. Das kann mit begeisternden Texten, mit gelungenen kleinen Geschichten, mit einer persönlichen Botschaft per Video gelingen. Vielleicht aber auch ganz anders. – Wer den ersten funktionierenden Glücks- oder Euphorie-Server  im Internet gründet, der hat definitiv schon gewonnen. – Just press here: „Euphoric!“

Emotionen in Bits & Bytes 1


Lachen & weinen im Internet

Ich habe eine kleine, unerwartete körperliche Sensation erlebt. Am Bildschirm. Ich bin beim Lesen einer Email rot geworden. Im Gesicht. Nicht rot vor Wut. Nicht rot aus Scham. Na ja, der schöne Mix aus Scham und Stolz war es. Ich habe solch eine anrührende und für mich schöne Mail-Replik gelesen, dass mir doch tatsächlich ganz warm im Gesicht geworden ist. Es war das erste Mal, dass ich vor dem Bildschirm rot angelaufen bin.

Damit habe ich so ziemlich die komplette Palette menschlicher Emotionen am Bildschirm erlebt. Mir sind schon Tränen in die Augen geschossen. Damals in den Foren, in denen es nach dem 11. September darum ging, irgendwie den Schock dieses monströsen Anschlages zu verarbeiten. Da gab es wirklich anrührende Textbeiträge. Oder ein andermal ging es um Folter und Verfolgung in Dafur. Die Geschichten waren so eindringlich und authentisch, dass man sich seiner Tränen dafür nicht schämen musste.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich das erste Mal vor dem Bildschirm laut gelacht habe. Das war zum Beispiel bei dem ernsten jungen Mann, der durch das Zusammendrücken seiner Hände Prust-Geräusche  entlang der kompletten Tonleiter produzieren konnte und auf diese Weise die so komplexe „Bohemian Rhapsody“ von Queen – na, nennen wir es mal so: intonierte. Und das miesepetrige, traurige Gesicht des Künstlers dazu. Absurdistan lässt grüßen…

Lachen am Bildschirm ist nicht leicht. Am leichtesten fällt lauthalses Gelächter im Kino, im Chor mit vielen anderen Lachenden. Und wenn dann noch ein Mensch mit ansteckender Lache dabei ist, ist das Zwerchfell schwer gefährdet. (Wann entdeckt die Pharma-Industrie eigentlich diesen Ansteckungsherd? Vielleicht kann man auch dagegen – oder dafür? – eine Spritze entwickeln und per Krankenkassen finanzieren lassen. Schweine-Lache sozusagen…)

Lachen vor dem Bildschirm

Am heimischen Bildschirm laut heraus zu lachen, fällt schon schwerer. Da muss der Gag massiv oder besonders absurd kommen. (Das gelingt Harald Schmidt schon lange nicht mehr richtig!) Oder man hat neben sich einen Menschen sitzen, der einen Hang zum therapeutischen Lachen hat und einfach jede Gelegenheit zur Zwerchfellmassage nutzt. Auch das ist wunderbar ansteckend. Die ganz hohe Schule des monomanischen Lachens ist aber der PC-Bildschirm. Wer einen dort zum prustenden Lachen bringt, der muss schon sehr gut sein.

Ach ja, Wut und Zorn habe ich wohl am häufigsten und frühesten am Bildschirm erlebt. All die bösen Emails, die zu unüberlegt geschickt wurden, die besser einen Tag abhängen hätten sollen, bevor sie – wenn überhaupt – in emotionsärmerer Version auf den Weg geschickt wurden. Wie viel Adrenalin ist dabei unnötig freigesetzt worden!

Adrenalin per (Wut-)Email

Die kurioseste Episode zum Thema Wut-Email stammt aus meiner Zeit, als ich viel für englische Firmen gearbeitet habe. Nach einem zweitägigen Marathon-Meeting habe ich versucht, die mühsam erzielten Übereinkünfte per Email-Protokoll festzuhalten. Der Effekt: eine der wütendsten Email-Repliken, an die ich mich erinnern kann. Tenor der Philippika: du willst doch nur in ein paar Wochen anhand der Email abhaken, was nicht umgesetzt worden ist. – Genau das war die Absicht. Und genau das hat den Wutausbruch initiiert. Man konnte sich so mal nicht mehr auf das sonst übliche „misunderstanding“ hinausreden. (Das nur zur Krise der britischen Wirtschaft.)

Emotionen im Internet. Ein Stiefkind, wenn es um die Bewertung von Websites geht. Dabei ist das die wesentliche Frage, wie gut Digitale Medien so weit kommen werden, Emotionen zu transportieren und/oder Emotionen zu wecken. Clickraten, Unique User und Conversions in Ehren. Jetzt geht es darum, dass Digitale Medien reif genug werden, auch emotionale Werte zu transportieren und so auch bei Markenbildung und Markenpositionierung zu funktionieren. Das geht sicher mit einer gelungenen Einbindung von Videos und Animationen. Vor allem aber mit einem effektvollen Storytelling quer über sämtliche Digitalen Plattformen und Formate hinweg.

Drehbuch des eigenen Lebens


Die Manipulation der Massen und Medien

Hätte nicht gedacht, dass ich auch noch mal Gedanken zu Michael Jackson oder Tiger Woods zu Desktop bringe… – Aber auffallend ist schon wie schwer sich Menschen mit dem Drehbuch tun, das sie und vor allem andere für ihr Leben geschrieben haben.

Zynisch gesehen bastelt sich jeder Mensch seine eigene Lebenslüge. Es kann sehr hilfreich sein, in dem warmen Bett einer gepflegten Selbsttäuschung zu leben. Das geht perfekt, so lange diese nicht allzu heftig mit einer anderen, die gerne Realität genannt wird, kollidiert. Aber je mehr Sozialkontakte man hat, um so schwieriger wird es, eine Lebenslüge, die sehr weit ist vom eigenen Ich, durchzuhalten.

Ganz hart wird es, wenn die Drehbücher des Lebens zum einen von falschen Erwartungen an das eigene Ich geschrieben werden. Daran können die Eltern (Michael Jackson, Tiger Woods) heftig schuld haben oder auch Ehefrauen oder Freunde, die zu viel Einfluss auf das eigene Leben gewinnen. Das schafft man aber auch gut selbst, sich seine eigene falsche Erwartungswelt aufzubauen, wenn man nie so recht aus den Allmachts- und Alles-Können-Phantasien der Pubertät herausfindet.

Am schlimmsten aber wird es, wenn das Drehbuch des eigenen Lebens von den Medien und damit mittelbar vom Massenpublikum geschrieben wird. So besonders extrem geschehen bei Michael Jackson. Das Zuckerguss- und Fantasy-Märchen mit Pop-Appeal, das hier zur Aufführung kommen sollte, war einfach nicht mehr lebbar. Und die dann logischen Kollisionen des gelebten mit dem erwünschten Lebens werden natürlich genüsslich von den Medien ausgekostet. (Da machen inzwischen längst sogar die sich selbst „seriös“ nennenden Medien keine rechte Ausnahme mehr. – Aber das ist jetzt wieder ein anderer Fall von Lebenslüge…)

Dieser Konflikt zwischen einer Erwartung an den Lebenszuschnitt eines Stars, seinen eigenen Erwartungen und der seines sozialen Umfeldes und den Realitäten des Lebens – und der Medien – kann sehr leicht eskalieren, weil alle diese Komponenten ihre Eigendynamik haben und logischerweise mehr als selten kongruent sein können. Irgendwann kommt es dann aus den Konflikten zu ersten kleinen Störfällen in dem sonst scheinbar so perfekten Drehbuch.

Überraschendes Finale im Drehbuch

Die Störungen können physischer Natur sein: Erschöpfungssymptome, Krankheiten etc. Aber anstatt das als Hinweis für einen außer Kontrolle geratenen Lebensplan zu verstehen, werden solche Irritationen vor allem von Menschen, die das Thema Allmacht nicht für sich in Griff bekommen haben, mit Tabletten jeglicher Couleur und Substanz bekämpft. Bis hin zur perfekten Eigenvergiftung. So bekommt dann das Drehbuch des eigenen Lebens ein für alle Beteiligten sehr überraschendes Ende geschrieben. So geschehen bei Elvis oder eben auch Michael Jackson.

Die Störungen können natürlich auch psychologischer Natur sein. Da wird dann mal gerne eine dunkle Parallelwelt zum Überkitsch des eigenen Drehbuchs geschrieben. Ich könnte mir  gut vorstellen, dass das so bei Tiger Woods oder Ashley Cole so gelaufen ist. Und wenn im Drehbuch immer nur Siege und Triumphe aneinandergereiht werden, kann man ja auch der Illusion verfallen, dass das für jeden Lebensbereich gilt und man mit allem heil davon kommt.

Ich mag mir nicht vorstellen, was in einer amerikanischen Suchtklinik passiert, die sich auf Sex-Sucht spezialisiert hat. Kaum vorstellbar, dass dort Lebenslügen demaskiert werden und der Weg zu einem authentisch gelebten Leben bereitet wird. So schön es wäre. Da wird doch vermutlich eher an einem neuen Drehbuch gestrickt. An einem besseren oder nur an einem leichter lebbaren Drehbuch des eigenen  Lebens.

Rent a wing

Wenn das dann kein Autorenfilm wird, also der Held nicht selbst Regisseur ist; oder wenn dessen Talent zum Regisseur begrenzt ist, dann ist das nächste Scheitern vorprogrammiert. Sehr zur Freude des breiten Publikums, die Dramen und böse Grimmsche Märchen lieber mögen als Zuckerguss-Parodien. Und sehr zur Freude ihrer Helfershelfer, der Medien.

Einen Vorschlag für ein neues Drehbuch für Tiger Woods kam ja schon. Ausgerechnet von Bau-Schwerenöter Donald Trump. Er schlägt vor, Tiger solle wieder auf die Golf-Tour gehen, diesmal gleich als promisker Playboy. Ohne Gewissensbisse und mit hohem Frauenverschleiß. – Nun ja, dann wären aber schnell einige Sponsoren weg. Aber neue könnten hinzugewonnen werden. Red Bull vielleicht. Das verleiht ja immerhin Flügel. Rent a wing sozusagen…

Heilige Maria & Gefrierfisch


Döntjes auf 10.000 Meter

Ein kleines Seitenthema in „Up in the Air“ (Buch & Regie: Jason Reitman) mit dem wunderbaren George Clooney in der Hauptrolle (mehr zum Film in „Up in the Air 1“) sind die Bekanntschaften und Freundschaften auf (ganz kurze) Zeit, die man vor allem auf Langstreckenflügen mit Sitznachbarn schließt. In „Up in the Air“ erkennen sich Clooney und sein Flugkamerad vom Vortag am nächsten Morgen beim Einchecken nicht einmal mehr.

Zwei solcher Gespräche in der intimen Nähe einer Sitzreihe sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. – Auf dem Flug von Seattle zurück saß vor Jahren ein gemütlicher, vollbärtiger Mann neben mir. Vielleicht Anfang 60, Typ sympathischer Pappi. Angenehm unaufdringlich, aber wir kamen trotzdem ins Gespräch. Anlass war seine Bemerkung, mit der er mich von meinem Gangplatz aufscheuchte, er müsse jetzt hinten im Flugzeug nach seinen Norwegern sehen, die er gestern gefeuert habe und die deshalb heute nach Hause fliegen. – So ein Satz macht neugierig.

Käpt’n Iglo erzählt

Der nette Pappi stellte sich als Chef der Fischfangflotte eines großen Nahrungsmittelherstellers heraus. Er war also der Herr der Fischstäbchen. Gruselig die Schilderung der Arbeitswirklichkeit auf den Fangschiffen und speziell auf den Fabrikschiffen, auf denen der frisch gefangene Fisch gleichg erzählt vor Ort ausgenommen, portioniert, gefroren und paniert wird.

An den Fließbändern arbeiten – so erzählte es jedenfalls Käpt’n Gefrierfisch – fast nur russische Frauen, vorzugsweise Akademikerinnen. Nur sie hätten die psychischen Voraussetzungen, solch schlimme Arbeit in brutalster Kälte und Nässe bei schwankendem Schiff durchzuhalten. Sechs Monate am Stück, sieben Tage die Woche, zwölf Stunden täglich. Dann vier Monate Pause und Familienleben, die Ehemänner kümmern sich derweil um Haushalt und Kinder.

Diese Frauen seien die Einzigen, so der Käpt’n, die bei der Knochenarbeit nicht irgendwann zu saufen beginnen. Deshalb habe er ja auch die Norweger, die die Schiffsmannschaft stellten, rausgeschmissen. – Der Grund für das rigide Vorgehen: Gerade erst wäre ein Fabrikschiff mit etlichen Dutzend Mann Besatzung und zig Fabrikarbeiterinnen im Nordpazifik urplötzlich spurlos verschwunden. Ausgerechnet am Weihnachtsabend. Da sei wohl dann doch, trotz aller Verbote gefeiert worden, nahm er an. So heftig, dass nicht mal mehr ein Notrufsignal abgesetzt wurde.

Nach solch einer Erzählung liebt man seinen eigenen Job wieder von ganzem Herzen. Und so sah das auch mein Sitznachbar, der das alles in seiner norddeutschen, seemännischen Gemütsruhe erzählte, aber deutlich diese Gruselstory mal loswerden wollte. Ausgerechnet an eine Landratte wie mich – und das in 10.000 Metern Höhe.

Kommunistische Indianer in Tripolis

Die zweite kuriose Begegnung fand auf einem Flug von Tripolis (Libyen) nach Paris statt – das ist noch ein bisschen länger her. Ich war dort auf einem einwöchigen Kongress mit amerikanischen, kommunistischen Indianern (!!!). Thema der Veranstaltung: von arabischen Wissenschaftlern wurde versucht nachzuweisen, dass es eine genetische (!!!) Verbindung zwischen Arabern und US-Indianern gibt. Um die Voraussetzungen für diese gewagte These zu schaffen, sollen phönizische Schiffe schon um die Zeit von Christi Geburt Amerika entdeckt haben. Na ja, die Beweise dafür waren dünn, wurden dafür um so emphatischer vorgetragen – und von den Indianern angemessen beklatscht. Besonders schön war das große Solidaritätsfest der „Abrabianer“, so richtig mit Kriegstänzen in vollem Federschmuck.

Meine Anwesenheit dort war ein Missverständnis. Ich war eigentlich für ein Interview mit Gadhafi angereist. Doch das hatte sich von der Botschaft in Bonn (sic!), die das Interview in Aussicht gestellt hatte, nicht bis Tripolis herumgesprochen. So durfte ich die Stadt mit riesigem Schnellstraßenkreisel – stolz: Made in Germany – kennenlernen. (Toll die italienisch angehauchte Altstadt!) Den Zoo durfte ich besuchen, dort hatten die meisten Tiere aber anscheinend gerade Ausgang. Und dann die Begegnung mit arabischem Akademismus. (Vielleicht sollte ich daraus noch mal eine eigene Novelle schreiben – als Hommage an Kafka.)

Da Vinci déjà vu

Nach acht Tagen wurde ich sehr unhöflich wieder aus dem Land heraus komplimentiert. Ohne Interview. – Im Flugzeug saß ich neben dem coolsten der US-Kommie-Indianer. Bert sah wie ein echter Cowboy aus, samt Streichholz zwischen den Zähnen. (So was ging damals noch!) Wir kamen ins Gespräch. Er war gar kein Cowboy, sondern Elektriker, in einem Kraftwerk in Indiana. Und jetzt nutzte er die Gelegenheit und schaute noch schnell in Südfrankreich vorbei. Dort wollte er sich drei Wochen auf die Spuren von Christi Nachwuchs begeben.

Der Mythos, dass Jesus mit Maria (Magdalena) Kinder hatte, die samt Mutter nach seinem Tod nach Gallien – also Frankreich – in Sicherheit gebracht wurden und dort – angeblich mit dem wiederauferstandenen Jesus – ein Familiengeschlecht gründeten, deren Nachfolger noch heute leben, war mir damals neu. Und das als Ministrant! Ich muss die Geschichte auch nicht weiter ausführen, sie ist schließlich der Plot von Dan Browns Bestseller „Da Vinci Code“ (deutsch: „Sakrileg“) und dort samt aller Verschwörungstheorien nachzulesen. Ein echtes déjà vu, als ich das Buch erstmals in Händen hatte.

Solche netten Döntjes bekommt man in 10.000 Metern Höhe zu hören, wenn man Up in the Air ist und ein wenig Glück mit seinen Sitznachbarn hat. Manchmal sollte man sie ein wenig ernster nehmen. Wenn ich an Dan Brown und seine Auflagen denke…