Guido-Dämmerung


Westerwelle vs. Guttenberg

Guido Westerwelle ist das exakte Gegenstück zu Karl Theodor zu Guttenberg. So wie Kain und Abel, Yin und Yang, Gelb zu Blau. So hat Guido Westerwelle seine Doktorarbeit glaubwürdig selbst geschrieben. Zum einen gab es damals noch kein Internet und da hätte Abschreiben schon mal richtig Arbeit gemacht. Zudem hat er ein Thema gewählt, bei dem (nur) er sich wirklich auskannte: „Das Parteienrecht und die politischen Jugendorganisationen.“ In der Jugendorganisation der FDP war er wirklich Experte, war er doch „Mitbegründer der Jungen Liberalen“ (Zitat Wikipedia) und fünf Jahre lang deren Bundesvorsitzender. Außerdem besticht die Doktorarbeit durch eine dem öden Thema angemessene inhaltliche Zurückhaltung. Und nach 140 Seiten ist man auch schon mit dem Thema durch. Guttenberg brachte es auf immerhin ambitionierte 400 Seiten ausgeliehener Textbausteine.

Guido Westerwelle Foto: Dirk Vorderstraße

Aber hier fangen die Unterschiede zwischen Westerwelle und Guttenberg erst an. Man muss den beiden nur einmal bei ihren Reden zuhören; man ist an dekadent-römische Zeiten erinnert: Hier der Volkstribun, der seine Kritik in einer stets besserwisserischen Pose ätzt, dort das Mitglied des Hochadels, der sich nie in den Niederungen der Opposition aufgehalten hat und so eine sorgfältig im Zaum gehaltene Souveränität auf Gutsherrenart virtuos beherrscht. Man braucht gar nicht zu ätzen, denn man weiß sowieso alles besser. Per se, versteht sich.

So verschieden Attitüde und Tonalität von Guttenberg und Westerwelle sind, so ähnlich sind ihre Wurzeln. Beide sind Söhne alleinerziehender Väter. Beide lieben Oper (Bayreuth), aber auch Zeitgenössisches. Guttenberg geht zu AC/DC, mag „Rock, House und Soul“ (Zitat auf Facebook), Westerwelle liebt „Pop und Charts“ (notiert er auf Facebook). Damit hat es sich aber wohl mit den Gemeinsamkeiten. Denn sowohl in ihrem Auftreten wie in der Rezeption durch die Menschen unterscheiden sie sich elementar.

Schwarze Projektionsfläche

Wir hatten zuhause eine Projektionsleinwand, die sorgfältig zusammen gerollt auf das eine Mal im Jahr wartete, dass der Diaprojektor ihm Bilder von den Reisen in den Süden darauf warf. Meist waren es Bilder aus Italien, aber dann auch schon mal Spanien, Jugoslawien – die älteren unter den Lesern mögen sich erinnern – oder Marokko. Diese „Leinwand“ war in Wahrheit ein mit einer speziellen Kristallfolie überzogener schwarzer Stoff. Nach vorne wurden strahlende, brillante Bilder abgestrahlt, umgekehrt aber war die Bildwand schwarz und schluckte jedes noch so schöne Bild, das ein Projektor auf sie warf.

Welch passendes Bild für das ungleiche Paar Westerwelle und Guttenberg. Der eine, Guttenberg, war die strahlende, geschliffene, brillantine-gegelte Projektionsfläche für alle Hoffnungen breitester Bevölkerungskreise nach einem unabhängigen, intelligenten, durchsetzungsstarken Kopf, der davon möglichst nur in homöopathischen Dosen Gebrauch machen sollte. Und wenn, dann nur bei mehrheitsverdächtigen Themen wie etwa der Abschaffung der Wehrpflicht. In der Verklärung von Guttenberg als Kanzler in spe kanalisierten sämtliche Irrationalismen der politischen Mitte – und rechts davon – bis hin zu einem verkappten Monarchismus und dessen kinotauglicher Strahlkraft.

Genau umgekehrt Guido Westerwelle. Er hat es geschafft, in knapp 15 Monaten zur Projektionsfläche allen Ärgers, allen (politischen) Versagens und aller Befürchtungen zu werden, die die breite Öffentlichkeit gegen Politiker seit je her hegt. Er ist wie die Rückseite unserer Familienleinwand von einst. Es ist stets nur tiefstes Schwarz zu sehen, sei es, es wird wirklich Düsternis und Versagen gezeigt oder möglicherweise auch einmal Licht. Manchmal mag man meinen, dass Westerwelle in dieser Negativ-Projektion Unrecht geschieht. Dann aber stärkt er mit entsprechenden Aktionen oder wahlweise saloppen oder hohlen Sprüchen regelmäßig die Befürchtung, dass es nicht an der Projektion der Massen, sondern an den von Westerwelle produzierten und präsentierten Inhalten liegt, dass sein Image so schlecht ist.

Der Hahnenkampf um Libyen

Es ist ewig schade, dass wir den Hahnenkampf zwischen einem Verteidigungsminister Guttenberg und dem Außenminister Westerwelle zur Libyen-Frage nicht mehr miterleben durften. Das wäre bestimmt sehr lustig geworden und wäre sicherlich in aller Unerbittlichkeit quer durch alle Medienkanäle ausgetragen worden.

Guttenberg hätte es nie ausgehalten, mit einer Enthaltung im UN-Sicherheitsrat zur Libyen-Resolution vor seinen vielen amerikanischen Freunden auf die Knochen blamiert zu werden. Das wäre spannend geworden, zu wem in diesem Zwist Angela letztendlich gehalten hätte. Einer der beiden wäre auf alle Fälle politisch so beschädigt gewesen, dass er hätte zurücktreten müssen, schon aus reiner Selbsterhaltung. – Eigentlich schade, dass Guttenbergs Doktor-Schmu nicht ein paar Wochen später aufgedeckt worden ist. Vielleicht wäre uns so Westerwelles sonderlicher Populismus-Pazifismus erspart geblieben. – Im dekadenten Rom hat man nicht zufällig niemals Volkstribune für diplomatische Aufgaben eingesetzt. Agitatoren waren noch nie gute Moderatoren.

Digitale Gratiskultur


Tim und Kai-Hinrich Renner: Digital ist besser (Campus Verlag)

Eine spezielle Situation. Ich kenne beide Autoren, den einen (Tim) flüchtig aus meiner Zeit als Musikkritiker, den anderen (Kai-Hinrich) sehr viel besser, weil ich mit ihm beim WIENER zusammengearbeitet habe und ihn dort als energischen Journalisten und als gewitzten und engagierten Menschen zu schätzen gelernt habe. Jetzt kenne ich die beiden aber noch viel besser, weil sie anhand ihrer eigenen Biografie im Hamburg der 70er und 80er ihre Ich-Werdung im Kosmos der Pop-Kultur beschreiben. Und das tun sie in einer ebenso sympathischen wie exemplarischen Weise. Ich bin nun noch ein paar Jahre älter als die beiden, aber meine Ich-Findung fand ebenso in der Pop-Kultur (na ja, auch in der Rock-Kultur) statt wie bei ihnen.

Die Kernthese des angenehm locker geschriebenen Buches (Campus Verlag) ist die: Wer seine Sozialisation in der Pop-Kultur erlebt hat, tut sich mit der digitalen Kultur und ihrer Spontaneität und Fluidität (sehr viel) leichter als alle diejenigen, die den bildungsbürgerlichen Kulturkanon als Leitbild ihres kulturellen – und vor allem ihres medialen – Daseins gewählt haben. Also die gesamte Kaste der etablierten Journalisten und Medienmacher bis hin zu jüngeren Semestern wie Frank Schirrmacher, der seine Digital-Phobie immerhin als Buch-Bestseller vermarkten konnte: „Payback“ (Blessing Verlag).

Sozialisierung durch Alvin Lee & Co.

So sehr meine Eltern es versuchten, mich mittels Oper, Theater, Büchern und Kirche bildungsbürgerlich zu erden, sie konnten gegen die Faszination der Rock- und Pop-Kultur nicht an. Ende der 60er emanzipierte ich mich aus dem elterlichen (klein-)bürgerlichen Kultur-Ghetto mit Hilfe meiner E-Gitarre unter gütiger Mithilfe von Alvin Lee, Tommy Iommi, Peter Green, Rory Gallagher, Jimi Hendrix und Robert Fripp u.a.. In den 70er-Jahren wurde ich zum eifrigen Plattensammler, soweit es karges Taschengeld und bisweilen ansehnliches Honorar aus vielen Jobs (Briefträger, Nachhilfe, Schreiben) zuließen. Die 80er Jahre über bis Mitte der 90er-Jahre kamen die Platten – und später CDs – frei Haus, weil ich in der Münchner Stadtzeitung und dann beim WIENER kontinuierlich und viel über Musik (Platten, Konzerte) schrieb und reihenweise Pop-, Rock und Filmstars interviewte.

Und dann, als ich beim WIENER kündigte und nach Hamburg zu Scholz & Friends als Trendforscher und Zukunftsberater ging, war schon das Internet da, zunächst als seltsames Schlupfloch bei Compuserve. (Danke Anatol, dass du mich damals erstmals in diese fremde, neue Welt, die damals noch sehr grau war und keine Bilder kannte, mitgenommen hast!) Bald danach hatte ich sehr zu kämpfen, dass die Kunden den Trend Internet a) verstanden und b) seine Perspektiven wenigstens zu erahnen bereit waren. So wurde ich zu einem der ersten „Experten“ in diesem Thema hierzulande.

Mitschuld an Gratiskultur

Ab dann durfte ich die digitale Kultur aus operativer Sicht kennen lernen, verstehen lernen – und sie aktiv mitgestalten. Zuerst bei Europe Online, dann bei Sidewalk von Microsoft und dann bei MSN (Microsoft Network), wo ich das erste deutsche Portal gestalten durfte. Ich war damals aktiv mit schuld daran, dass die Gratis-Kultur des Internets in Deutschland entstand, die Kai-Hinrich Renner nicht müde wird in „Digital ist besser“ zu beklagen.

Europe Online wollte zunächst wie America Online für alle Inhalte Abonnement-Gebühren verlangen. Als dann aber die proprietäre Software nicht funktionierte und wir auf das HTML-Format (Netscape 2.0) wechselten, war bald klar, dass die Inhalte zum Großteil gratis sein sollten. Damals wurde schon ein ähnliches Modell diskutiert, das jetzt die New York Times einzuführen versucht. Bei uns hieß das das „Zwiebel-Modell“: Viele Inhalte sollten gratis sein und die User locken. Genau das macht die NYT jetzt auch, 10 Seitenabrufe sind gratis, danach muss man sich registrieren – und alle Links von Google, Facebook oder Twitter sind auch stets kostenfrei. Danach fällt die Zahlschranke – und um die mühsame Einzelabrechnung gelesener Inhalte einfacher zu machen, werden attraktive Abonnements (für Print plus Online, iPads oder Online only) angeboten.

Technisches Manko

Genauso war es mal für Europe Online angedacht. Leider war damals keine technische Lösung für solch ein Modell zu entwickeln. Wie auch? Das war noch bevor Content Management Systeme (CMS) entwickelt waren. Also wurden alle Inhalte gratis ins Netz gestellt. So wie es der Spiegel und Focus bald danach machten. Das geschah als Vorsichtsmaßnahme, damit nicht etwa irgendwelche Garagenfirmen den Verlagen die Leser abspenstig machen würden. Das war damals die höchste Angst der Verleger.

Die Garagenfirmen schlugen dann aber ganz wo anders zu. Weil die Verleger es verabsäumten, in ihren Häusern eigenes digitales und technisches Know how aufzubauen, entstanden aus „Garagen“ heraus technikgetriebene Firmen wie Scout24, wie Mobile, wie Parship oder StepStone, die den Verlagen – ohne großen Widerstand – alle Rubriken-, Kontakt- und Jobanzeigen abspenstig machten – und so den Anfang der wirtschaftlichen Talfahrt initiierten. Diese Gratiskultur war den Verlagen damals nicht geheuer. Damals hätte ihnen gesunder Kannibalismus und weniger Angst vor neuen digitalen Geschäftsmodellen gut getan. Die sind, zugegeben, komplexer und scheinbar weniger ergiebig. Aber wie eine andere Garagenfirma bewiesen hat, kann derjenige, der die digitale Technik und die digitale Kultur versteht, durchaus damit sehr viel Geld verdienen: Google beweist das tagtäglich.

Keine Angst vor der Digitalität

Das ist dann auch die spezielle Stärke von „Digital ist besser“: Es widerlegt elegant alle Angst- und Horror-Szenarien zur digitalen Kultur. Das Buch macht Mut und Lust, sich auf das Internet, die digitale Kultur (samt Games) – und auch auf Social Media – einzulassen. Das tut es vor allem auch, weil es kein abstraktes Traktat ist, sondern weil man so viel über die beiden Autoren und ihren Weg  via Popkultur in die digitale Kultur erfährt.

Gesellschaftliches Botox


Affirmation als Selbstlähmung der Medien

Henri Nannen hatte es noch einfach. Er wusste, wie die Leser seines „Stern“ aussahen. Oder er meinte es zumindest: Sein Testpublikum war seine Putzfrau. Sie fragte er bei strittigen Fragen, so geht zumindest die Legende. Und deshalb war der Nil eben blau, auch wenn das die vorliegenden Fotos nicht so ganz hergaben. Für Nannens Zielgruppe war der Nil blau.

Das ist alles heute so viel anders. Heute wiegen sich die meisten Medienmacher zwar nicht mehr in dem naiven Glauben, sie würden ihr Blatt, ihren Sender etc. für ihr verehrtes Publikum machen. Ihnen ist längst bewusst, dass sie Produkte kreieren, um möglichst genau bestimmte Zielgruppen zu erreichen, um den Kontakt zu diesen möglichst gut an Werbetreibende verhökern zu können. Aber das ist ja heute nicht mehr so einfach, wo etwa Facebook so viel über jeden einzelnen seiner Kunden weiß, dass man Werbung individuell maßschneidern kann – und dabei noch billiger weg kommt.

Trauriges Weltbild

Manchmal ist das dann sehr traurig, welche Zielgruppe sich ein Medium aussucht. Besonders traurig ist das im Fall der öffentlich-rechtlichen Medien. Da meine ich nicht (nur) das ZDF und seine Kapitulation vor jüngeren Zielgruppen. Nicht so sehr die 3. Programme, die ein seltsames Bild regionaler oder ländlicher Interessen abgeben. Schlimm sind da auch die Radiostationen. Andreas Bernard hat dankenswerterweise im SZ-Magazin  in einer sehr genauen Analyse von Bayern 3, dem unausweichlichen Autoradiosender des Bayerischen Rundfunks, die traurige Lebenssicht der Radiomacher skizziert.

Grob zusammengefasst spiegelt sich in den Themen und Äußerungen der stets aufgekratzten Moderatoren ein deprimierendes Weltbild: Arbeit ist Fron, daher thematisiert man am Montag, dass das Wochenende leider vorbei ist – und ab Dienstag wird mit wachsender Verve wahlweise auf Dienstschluss und/oder das Wochenende vertröstet. Das zweite Zentralthema ist das Wetter, dass entweder (wenn schlecht) jedweden Frust entschuldigt oder (wenn gut) der Lebensinhalt der Hörerschaft zu sein hat. Dazu dann die ewige Retro-Masche der Hits aus den 70ern, 80ern und 90ern, in denen noch alles gut war – und in dem das Leben noch schöne Momente bereit hielt, mit denen man sich in der tristen Gegenwart zu trösten hat. (Neue Highlights und Glücksmomente scheinen in der Radiowelt jenseits der überlaut promoteten Radio-Parties nicht denkbar zu sein.)

Prozac fürs Volk

Besonders traurig ist, wie man auch in den Kommentaren zu dem Artikel merkt, dass die Populismus-Sender der anderen Rundfunkanstalten genau dasselbe Weltbild propagieren: SWR3, HR1, NDR2 etc. Sie alle sind so etwas wie die populärkulturelle Radioversion der Yellow-Press. Oldie-Hits als Prozac fürs Volk, gewürzt mit Gewinnspielen, dämlichen Geschlechterkämpfen und ein paar Feigenblatt-Minuten am Abend, wenn mal schräge Moderatoren randürfen (wenn kaum einer zuhört).

Das Niederschmetternde an solchen Medien – und es gibt mehr als genug Pendants dazu im Zeitschriftenmarkt – ist deren dröge, temperamentlose, affirmative Art. Diese so bleierne Art, das Leben zu verlangweilen, Arbeit und Alltag zu banalisieren und zu lamentarisieren. Als gäbe es nichts Sinnvolleres als Selbstmitleid zu pflegen und zu hegen. Keine Frage, Menschen brauchen auch Ruhepausen und Erholung, aber das liefert geballte Affirmation nicht, sondern nur Passivität und Kapitulation. Und beides ist alles andere als erholsam, im Gegenteil.

Affirmation als Prinzip

Jeder Mensch braucht Affirmation. Das ist ein wesentlicher Bestandteil unserer seelischen Balance. Immer wieder muss sich unser in stetem Wandel befindliches Ich versichern, dass es im persönlichen Kontext noch aufgehoben und akzeptiert ist. Nichts tut dem Durchschnitts-Ich mehr weh, als vereinsamt zu sein, weil man sich etwa allzu sehr aus dem derzeit gängigen kulturellen und sozialen Kontext herausbewegt hat. Dort draußen, in Trend-Sibirien, weht der Zeitgeist besonders eisig.

Man muss aber zwischen Affirmation unterscheiden, die einem soziale (und damit psychische) Geborgenheit verschafft und einer, die seelische Lethargie und soziale Mutlosigkeit produziert. Letzteres ist fürchterlich, weil es jede Bewegung nach vorne, jeden Mut zu etwas Neuem nimmt und nur alte Ressentiments und Sentimentalitäten pflegt. Diese lähmen – den Einzelnen, den Zuhörerkreis, das Lesepublikum – und die Gesellschaft in seiner Gesamtheit. In dieser Abart ist Affirmation gesellschaftliches Botox. Es lässt die Gesellschaft in einer fälschlicherweise als nett empfundenen Form erstarren – und vergiftet sie von innen heraus.

Ideologischer Sumpf

Und Affirmation funktioniert nicht nur von rechts, sondern auch von links. Manchmal ist es wahrlich schmerzhaft, wie reflexhaft auch kritische Medien bei den meisten Themen ihre Position einnehmen und oft unreflektiert und störrisch daran festhalten. Andere Sichtweisen werden ausgeblendet. Man macht es sich in seinem ideologischen Sumpf gemütlich – im schlimmsten Fall suhlt man sich noch darin.

Affirmation als Selbstzweck, das führt unweigerlich zu Verkrustungen und Erstarrung. Zuschauerzahlen und Auflagen gehen nicht zuletzt auch deswegen zurück, weil zu wenig Neues, Interessantes passiert. Vor lauter Affirmation wirken Sender und Presseorgane seltsam hohl, nicht zuletzt deswegen können sich junge Menschen nicht mehr für sie begeistern. Denn diese sind verwöhnt von der Menge an Anregungen, Innovationen und Überraschungen, die das Internet für sie (per Social Media) für sie bereit hält.

Intelligenz und Neues Denken

Ein Medium, das zukunftstauglich ist, muss die richtige Mischung aus Affirmation und Neuerungen und Innovation finden. Durch richtig eingesetzte und dosierte Affirmation nimmt man seine Leserschaft/Zuschauer mit und macht sie bereit für neue Ideen und Sichtweisen, für Provokationen und Irritationen. Solche Medien vermisse ich hierzulande, die notorischer Affirmation Innovation, Mut, Intelligenz und Neugier entgegensetzen. Zeitschriften, die Gedanken lancieren, die neuen Ideen Platz geben.

Seit ein paar Monaten habe ich „The Atlantic“ abonniert. Wenn man hier die – oft sehr langen, aber gut lesbaren – Artikel intus hat, dann weiß man mehr, erfährt neue Sichtweise und fängt unweigerlich an, selbst darüber nachzudenken. Denn „The Atlantic“ zeigt in unserer komplexen Welt auch konkurrierende Sichtweisen, statt ein Thema über nur einen ideologischen Kamm zu scheren.

„The Atlantic“ hat seine Qualität nach einer Insolvenz neu definieren müssen. Sein (neuer) Chefredakteur James Bennet, der sich bescheiden nur „Editor“ nennt, hat „The Atlantic“ neu erdacht. Dabei war sein Konzept: „online first“. Die Website ist der Nukleus des journalistischen Schaffens – und das Print-Magazin hat davon überdeutlich profitiert. Es ist die Quintessenz der Themen, die zuvor im Internet debattiert worden sind.

Das Insolvenzrecht der USA (Chapter 11) machte solch eine Selbsterneuerung möglich. In Deutschland ist das schon (insolvenz-)rechtlich kaum möglich. Sonst würde man so manchem Verlags- oder Medienhaus die Insolvenz wünschen, damit daraus die Chance eines Neuanfangs genutzt wird. Denn ich vermisse dringend Medien, die mehr als nur Zielgruppen-Affirmation betreiben. – Ob das auch ohne Insolvenz gelingen kann?

Unkartiertes Neuland


Projekte wagen, die (noch) nicht möglich sind

Vor ein paar Jahren sah ich bei Freunden an der Wand eines Büros ein riesig dimensioniertes Modell eines großen Sportstadions hängen. Es stellte sich heraus, dass der Vater der Freundin bei der Ausschreibung für das Stadion für die Olympischen Spiele 1972 in München teilgenommen hatte. Das Modell an der Wand war sein Entwurf gewesen. Aus Höflichkeit nur so viel. Wir dürfen froh sein, dass nicht dieser Entwurf genommen wurde, sondern der mutige Zeltdachentwurf von Frei Otto.

Olympiastadion München - Die Realisierung

Ich habe mir später auch andere Entwürfe von damals angesehen, zum Beispiel das Modell, mit dem sich München 1966 (erfolgreich!) beworben hatte -langweilig und uninspiriert (siehe Foto). – Was haben wir damals in München für mutige, ja tollkühne Entscheider gehabt! Sie haben sich für die schönste, aber optisch und technisch riskanteste Lösung entschieden. Noch nie zuvor war eine Zeltdachkonstruktion aus Stahlseilen und Acrylplatten in dieser Dimension gewagt worden. Von diesem Mut profitiert München noch heute. Der Olympiapark ist weltbekannt und im Gegensatz zu anderen großen Sportstadien eine städtebauliche Attraktion, auch 40 Jahre nach seiner Eröffnung.

Planen mit nicht vorhandenem Material

Ähnlich viel Mut wurde beim Bau der Allianz Arena bewiesen, dem neuen, allabendlich weithin leuchtenden Wahrzeichen des Münchner Nordens. Als dieses Stadion in seinem speziellen Design beschlossen wurde, gab es die luminiszierenden, pneumatisch vorgespannten Kissen aus EFTE-Folie, die heute die Außenhaut der Arena bilden, noch nicht. Das Prinzip wurde erst im Laufe des Baus entwickelt.

Wenn es um Bauten geht, um mechanische Geräte oder um Maschinen (speziell Autos), dann sind wir mutig in Deutschland. Auch wenn es um kreative Nutzung von Elektrizität oder Chemie geht – bis hin zur Fahrlässigkeit. Nur wenn es um nicht greifbare, nicht haptisch fassbare Dinge geht, verlässt uns der Mut so schnell und so komplett. Deswegen spielt Deutschland im Bereich der Computer und der Software längst keine wichtige Rolle mehr. Und im Internet und seinem Business ebensowenig.

Olympiastadion München - Entwurf 1966

Fluchtpunkt Physikalität

Unser Fluchtpunkt, wenn es um nicht handfeste Dinge geht, also um Software, um digitale Produkte oder gar virtuelle, ist immer die Flucht ins Physikalische, zum realen Produkt: Da werden Onlinehandelsplätze zu Piazzas – oder es wird gar die altgriechische Agora als Metapher für einen Marktplatz bemüht. Da werden Datenspeicher zu Tresoren oder Bildspeicher zu Fotoalben. Oder neueste Peinlichkeit: Eine Löschfunktion für Bilder wird zum „digitalen Radiergummi“.

[Kleiner Exkurs hier. Dem Erfinder Prof. Michael Backes aus Saarbrücken gehört ein Ehrenplatz bei der nächsten Documenta. Die Idee, dafür Geld zahlen zu müssen, dass sich ins Internet gestellte Bilder irgendwann selbst löschen (wenn es denn funktioniert), zeugt von seltener Ignoranz – oder großer künstlerischen Chuzpe. Kunst, die sich selbst zerstört, war eine der provokativen Ideen des Dadaismus. Das jetzt kommerziell zu vermarkten, könnte interessant und witzig sein, wenn es nicht bierernst gemeint wäre. So ist es nur peinlich und traurig.]

Begreifen und Bedenken

Was treibt uns, dass wir Dinge unbedingt „begreifen“ wollen. Und wenn das nicht möglich ist, dass uns gleich „Bedenken“ kommen. Was ist das für eine risikoarme Kultur, eine Zöger- und Hader-Kultur, die solange nicht aktiv wird, bis die letzten Wagnisse ausgeräumt sind? Die Neuland nur dann zu betreten wagt, wenn sich zuvor schon Massen anderer hinein gewagt haben. Und dann wundert man sich, dass diese längst Claims abgesteckt und das neue Areal unter sich aufgeteilt haben. Und zwar zu ihren Bedingungen.

Ich hatte in meinem Leben mehrmals die „wundersame“ – und wunderschöne – Gelegenheit, etwas völlig Neues schaffen zu dürfen/können. Meist ohne ein Vorbild, das man hätte nachahmen können und immer unter extremem Zeitdruck.

Neues wagen

Die Münchner Stadtzeitung etwa, die post-ideologisch die Interessen einer jungen Stadtbevölkerung reflektierte. Wir haben sie im Team mit wunderbaren Kollegen und einem tollkühnen Verleger (Arno Hess) einfach „gemacht“, ohne vorher viel zu planen oder gar Marktstudien zu betreiben. Dafür war weder Geld noch Zeit da. Und weil wir es wagten, wurde sie erfolgreich, wuchs zusammen mit ihren Lesern und unserem (meist autodidaktisch durch Try & Error erworbenen) Können. – Dasselbe dann auch beim WIENER. Auch hier wurde – nicht zuletzt dank Chefredakteur Wolfgang Maier – gewagt und nicht gezaudert.

Noch extremer war das Projekt Europe Online: ein Onlinedienst in Deutschland, der nicht ein amerikanisches Vorbild kopieren sollte. Als die Entscheidung gefallen war, dass wir statt auf eine proprietäre Software und ein geschlossenes System a là AOL auf die offene Internet-Platform von HTML und offen zugängliche Inhalte setzten, waren gerade noch sechs Wochen Zeit, alles neu von Null an aufzusetzen, technisch wie inhaltlich. Keiner wusste, wie das gehen sollte. Es gab genug, die hielten das für unmöglich – und handelten danach. Und trotzdem waren wir pünktlich fertig und online – zu Weihnachten 1995.

Evolution schafft Neues

Das alles funktionierte nur mit einer Zuversicht, die sich aus der Erfahrung nährte, dass sich Wege finden, wenn man nur wagt. Es gibt eben auch positive Selffulfilling-Prozesse. Wenn man an etwas glaubt, dann kann man, zumal wenn man zuvor ein wenig nachgedacht hat, viel bewirken. Man muss es dann nur machen. Warum ist Facebook so erfolgreich und das deutsche Copycat StudiVZ nicht? Weil Mark Zuckerberg & Co. eine Idee hatten und im Prozess des Schaffens davon profitiert und so kontinuierlich dazugelernt haben. Das passiert denen, die wagen, aber nicht denen, die nur kopieren. Diese erleben nie das Momentum des Wagenden, diese kommen nie in den Schaffens-Flow dessen, der Risiken eingeht und loslegt.

Man kapiert in Deutschland – oder auch Europa – eben nicht, wie man ein neues Projekt starten kann, ohne einen nach allen Seiten abgesicherten Businessplan zu haben. Der ergibt sich aber aus dem Erfolg, der Verbreitung und den im Prozess des Schaffens gemachten Ideen und Erfahrungen. Außerdem sind nur Projekte, in denen etwas Neues gewagt wird, für wirklich kreative, innovativ denkende Menschen attraktiv. Sie sorgen dann mit ihrer Ingenuität schon dafür, dass solche wagnisreichen Projekte auch wirtschaftlich erfolgreich werden. (Dieser Effekt fehlt Kopisten völlig.)

Evolution funktioniert nun mal grundsätzlich so, dass dabei absolut Neues entsteht. Etwas, was daher noch nicht erforscht und kartiert sein kann. Man kann sich also dabei nicht absichern. Man kann nur „machen“, man kann nur wagen. Und das Neue entsteht eben nur, weil man es wagt. – Mir hat folgendes Bild sehr geholfen, Evolution zu verstehen: Man steht an einer Klippe (Edge) und geht in Richtung des Nichts – und nur indem man geht und wagt, entsteht etwas Neues – und man tritt so doch wieder auf festen Boden.

Diese Art zu Gehen sollten wir wieder lernen, irgendwie. Und möglichst schnell…

Danke, danke, danke


Rente von der Post

Der einzige Beruf, den ich wirklich „erlernt“ habe, ist der des Briefträgers. Und was heißt „erlernt“. Ich habe eine einwöchige Einweisung bekommen, und das war’s. Da war ich 16 Jahre alt – und fortan habe ich in allen großen Ferien – und später dann in den Semesterferien als Zusteller bei der Post gejobt. 10 Jahre lang. Ich war knapp davor Rentenansprüche zu erwerben, hieß es damals im Scherz.

Briefträger war damals ein richtig toller Job, speziell im Sommer, wenn das Postaufkommen geringer war. Wenn man sich richtig sputete, dann war man schon um 13:00 Uhr mit allem fertig – und ab ging’s ins Michaelibad oder an den Feldkirchener Baggersee. Dort habe ich aber meist erst einmal mein Schlafdefizit ausgeglichen, schließlich ging es in dem Job schon um 5:00 Uhr oder 5:30 los.

Lehrstunde fürs Leben

Damals zahlte man noch viel Geld bar aus. Vor allem Renten wurden da noch persönlich an der Haustüre ausgezahlt. Meine Mutter fiel fast in Ohnmacht, als sie erfuhr, dass ich mit meinen 16 Jahren manchen Tag um den Zahltag herum mit 50.000 Mark in kleinen Scheinen unterwegs war.

Die Rentenzahlungen brachten netterweise beachtliche Trinkgelder. Zu den 1.500 Mark, die ich damals im Monat verdiente, kam gerne noch mal die Hälfte als Trinkgeld dazu. Je nachdem in welchem Viertel man unterwegs war. Im noblen Bogenhausen sah es damit schlecht aus. Keine Renten und die Ärzte, denen man täglich Massen von Päckchen mit Arzneiproben vorbeibringen musste, ließen sich noch den letzten Pfennig herausgeben.

Viel besser war es dagegen in den Arbeitervierteln in Ramersdorf oder Berg-am-Laim. Hier war es selbstverständlich, dem „jungen Studenten“ reichlich Trinkgeld zu geben. Und Lehrstunde fürs Leben: je kleiner die Rente war, die es auszuzahlen galt, desto höher das Trinkgeld. Und wehe, man zögerte es anzunehmen, denn das war Ehrensache.

Freiheit mit 120 Watt

Das Geld war mir damals auch wichtig. Es machte mich unabhängig von den pädagogischen Einflussversuchen meiner Mutter. Es finanzierte meine erste E-Gitarre, eine Les-Paul-Kopie von Höfner (die mit dem Bass, den Paul McCartney heute noch spielt) mit echten Gibson-Tonabnehmern. Dazu ein Dynacord-Verstärker (den ich vor lauter Röhren kaum heben konnte) und eine Allsound-Box mit 120 Watt Musikleistung.

Das war richtig schön laut. Im Reihenhaus reichte das selbst mit halber Stärke noch fünf Häuser weit. Später leistete ich mir sogar einen echten VOX AC-30. (Alles wurde irgendwann in irgendwelchen Übungsräumen geklaut, nur die Gitarre gibt es noch!)

Das Geld finanzierte aber auch Reisen. Denn in den verbleibenden 10 bis 14 Tagen der Ferien musste die zuvor – mangels Schlaf – zu kurz gekommene Erholung dann im Schnelldurchgang nachgeholt werden. Das führte dann auch schon mal zu einer Woche wortlosen Lesens am Strand und gefühlten drei kompletten Sätzen pro Tag.

Danken im Affekt

Diese autistischen Phasen waren nötig, um sich von der schlimmsten Berufskrankheit eines jungen, eifrigen – und natürlich höflichen – Briefträgerdaseins zu erholen: dem manischen Dank-Affekt. Als Briefträger, als höflicher noch zudem, hatte man stets für irgendetwas zu danken. Für Trinkgeld, für das Aufmachen von verschlossenen Türen, für Unterschriften, für angebotene Kaffees etc.. Das führte dazu, dass man sich schließlich irgendwann bei Jedem und für alles bedankte. Rein aus dem Affekt heraus. Selbst wenn einem die Tür vor der Nase zugeschlagen wurde: „Danke!“

Das Danke-Sagen habe ich mir dann aber immer schnell wieder abgewöhnt, es war einfach zu uncool. Wie man sich ja überhaupt, wenn man sich vom Elternhaus und seinen Konventionen ablöst, erst mal dezidiert von den dort beigebrachten Höflichkeits-Gesten und -Floskeln frei macht. Das ist zwar nicht sehr schön für das persönliche Umfeld, vermittelt aber ein schön post-pubertäres Gefühl von Unabhängigkeit und Freiheit.

Die Schule der Dankbarkeit

Erst allmählich in der langen Phase des relaxten Erwachsenseins lernt man das Danke wieder zu schätzen – und auch selbst wieder zu verwenden. Wenn einem ein Kollege oder Mitarbeiter aus einer verfahrenen Situation hilft. Wenn man Unterstützung genau dann bekommt, wenn man es am nötigsten hat. Oder auch einfach, weil man sich über etwas freut.

Die beste Schule der ebenso unverbindlichen wie effektiven Danke-Kultur habe ich in den USA genossen. Da war zwar auch viel notorisches Danke-Sagen dabei wie ich es einst als Postbote praktiziert habe, aber ich habe es zu schätzen gelernt.

Digitale Dankbarkeit

Einen ähnlichen Prozess haben auch die digitalen Medien gemacht. Am Anfang, als Interaktivität noch kaum entdeckt war und praktiziert wurde, war ein Danke und positives Feedback absolute Mangelware. Das haben die Social Media dankenswerterweise (!) geändert. Jedes „Like“ ist ja nicht nur Zustimmung und Zeichen der Aufmerksamkeit, sondern auch immer ein kleines Danke. Ein Danke für eine schöne Formulierung, eine gute Idee oder einen wichtigen Gedanken.

Nur da, wo ein kleines Danke, eine zarte Anerkennung bzw. positives Feedback am dringendsten notwendig wären, fehlt es noch immer viel zu sehr: bei Online-Shopping und eCommerce. In den wenigsten digitalen Kaufprozessen bekommt der Kunde nötigen Rückhalt oder positive Anerkennung. Jeder gute Verkäufer weiß, wie wichtig es ist, einen Kunden bei der Entscheidung für eine Kaufinvestition kontinuierlich zu unterstützen und zu bestärken. Nur im digitalen Raum interessiert das kaum jemanden.

Man muss sich nur mal durch die diversen Konfiguratoren etwa der Autobranche kämpfen. Dort wird nicht einmal der rationalste Kunde glücklich. Wer aber etwas Emphase oder gar Empathie erwartet, keine Chance. Dabei braucht jeder die Umschmeichelung unserer tief sitzenden – und gar nicht so negativen – narzisstischen Bedürfnisse.

Danke an die Käufer – und an die Leser

Und das wäre dann die Krönung der Individualisierung im Kaufprozess. Jeder Kunde bekommt genau den emotionalen Response, den er persönlich braucht, genau die Dosis an „Danke“, die ihn freut. Nicht zu wenig, wie heute; und nicht zu viel, denn das wäre cheesy.

Apropos, lieber Leser: Danke, dass Du Dich so weit durch diesen Text durchgekämpft hast. Ohne Dein Interesse und Deine Aufmerksamkeit zu verlieren.

Im Ernst. Ich danke allen meinen Lesern, ohne Euer Interesse würde das Schreiben eines solchen Blogs nur halb so viel Spaß machen. Jeder Hit in der Seiten-Statistik ist ja auch ein Interesse-Danke. Besonderen Dank aber an alle, die Kommentare gegeben haben, hier, auf Facebook oder per Mail. Und ein ganz großes Dankeschön an alle, die auf diesen Blog verlinkt haben und so ganz neue Leser auf diesen Versuch, einen Unterschied zu machen, hingewiesen haben.

Geheim, geheim, geheim


Die Fänger der Binsen

Manchmal kann man ihn wirklich mit Händen greifen, den Zeitgeist. Wie genervt, wie enttäuscht war man nach den neuesten Veröffentlichungen von Wikileaks. Alles was man ahnte, durfte man als Einschätzung des örtlichen Personals der amerikanischen Botschaft noch einmal nachlesen. Merkel unkreativ, Westerwelle überschäumend, Seehofer unberechenbar. Was für Binsen, die höchstens narzisstische Seelen, die es direkt betraf, in ihrer Schwarz-auf-Weiß-nachzulesen-Wucht getroffen haben mag. Merkel aber ist des Narzissmus erfreulich unverdächtig.

Ich war selber zu lange investigativ als Journalist unterwegs. Da sind mir massivere Informationen zugetragen worden, die sich dann als nicht haltbar oder nicht nachweisbar erwiesen  haben. Da blieb nichts anderes übrig als klein bei zu geben, wollte man nicht vor Gericht wegen übler Nachrede belangt werden. Die Lektion durfte ich sehr früh in meiner Journalistenwerdung lernen. Da wurde ich flugs verurteilt, weil ich den Bericht eines Schwarzen Sheriffs, der die üblichen Gepflogenheiten in seinem Job geschildert hatte, wiedergegeben hatte. Und weil ich mich weigerte, den Informanten preis zu geben, hatte ich sehr schnell eine saftige Geldstrafe an der Backe. Wegen übler Nachrede.

Öffentlichkeit als Schutz

Später in strittigen Themen als Reporter beim WIENER, wo Aussage gegen Aussage stand, schützte mich die Scheu der Entlarvten vor der Öffentlichkeit. Bei meinem Besuch als Spendeneintreiber bei Alois Müller, bei meinen Recherchen im Bayerischen Umland auf der Suche nach Bauplatz und Arbeitskräften für ein AIDS-KZ oder bei meiner Akquise von Schleichwerbung bei Dieter Thomas Heck, nie kam es zu Klagen gegen mich oder den WIENER. Die Angst vor negativer Publicity, die eine öffentliche Verhandlung – noch dazu bei einem Journalisten – bringen würde, war zu groß. So schützte mich bei meinen Leakings (das Wort war sowas von noch nicht erfunden damals) die Öffentlichkeit und ihr Interesse an Enthüllungen.

Nichts davon war zu Beginn der Wikileaks-Enthüllungen zu spüren, eher ein genervtes Augenverdrehen. Dann aber kam die Reaktion der Politik. Plötzlich wurden Server abgeschaltet, Bankkonten gesperrt, Anklage erhoben, Haftbefehle erteilt – und von einem US-Senator sogar die Todesstrafe für Wikileaks-Chef Julian Assange gefordert. Alles viel zu heftig, verdächtig uncool. Was man selbst mit einem Schulterzucken abgetan hatte, scheint andere schwer getroffen zu haben. Da scheint einer Kaste von Mächtigen das übliche Spiel kräftig vermiest worden zu sein. So reagiert, wer wirklich was zu verbergen hat.

Spielgeld für Monopoly

Zur selben Zeit passieren dann in aller Öffentlichkeit Kuriositäten wie die Vergabe der Fußball-WM an Russland und Katar. Da denkt sich noch der unbedarfteste Mensch so seinen Teil. Zur selben Zeit wird bei der Schlichtung in Stuttgart deutlich, wie selbstverständlich die Politik das Desinteresse von Bürgern an einem als Infrastrukturmaßnahme (Bahn) getarnten Immobiliendeal vorausgesetzt hatte. Und zur selben Zeit wird darüber verhandelt, weitere Aberhunderte von Milliarden zur Rettung von Banken, die sich verspekuliert haben, aus sonst sorgsam verschlossenen Haushaltskassen frei zu machen. Diesmal in Irland, demnächst anderswo. Hier spielen Leute Monopoly und lassen die, die fürs „Spielgeld“ sorgen, nicht teilhaben? Ja nicht einmal dabei zusehen sollen sie dürfen?

Und siehe da, plötzlich macht sich in weiten Kreisen schnell mehr als nur „klammheimliche“ Freude bemerkbar, dass hier den Mächtigen in die Suppe gespuckt worden ist. Egal wo man hinhört, plötzlich erlebt man immer mehr ideelle Unterstützung. Natürlich viel davon im Internet. Die Zahl der Server, die inzwischen Wikileaks gespiegelt haben, steigen behende, derzeit sind es über 500. Die Freunde von Wikileaks auf Facebook sind weit über eine Million, bald eine halbe Million Follower sind es bei Twitter, Tendenz überall steil steigend.

Aber auch die Presse, die zunächst enttäuscht bis genervt reagiert hat, erschrickt über die massive Reaktion der Mächtigen und wertschätzt mindestens die Prozesse, die Wikileaks ausgelöst hat: das Nachdenken über unnötige Geheimhaltung und Staats-Privacy; das Erschrecken über die Unbekümmertheit von Berlusconi und anderen, Politik als ungezügelte Ego-Befriedigung zu pervertieren. Und immer ausgewogenere, klügere und positivere Artikel zu Wikileaks sind jetzt zu lesen. Zu allererst im Feuilleton der Süddeutschen (danke, Andrian), dann auch in der Welt, die einen Artikel zu Wikileaks, den Jeff Jarvis für die Huffington Post geschrieben hat, hier in Deutschland veröffentlicht hat. Besonders beeindruckend der Artikel von David Samuels in „The Atlantic“ (schon jetzt über 9.000 like it!), der die überzogene Reaktion US-amerikanischer Behörden auf Wikileaks anprangert. [Neu dazu gekommen: James Moore. „I am Julian Assange“ in der Huffington Post! ]

Den Zeitgeist spüren

Auf den Punkt bringt den Schwenk im Meinungsbild Clay Shirkey. Der erste Satz seiner klugen Reflexion zu Wikileaks und Nutzen und Unsinn von Geheimnistuerei in seinem Blog beginnt bezeichnenderweise mit dem Satz: „Like a lot of people, I am conflicted about Wikileaks“ Genau so ging es den meisten Menschen. Mir genauso. Inzwischen aber haben sich überraschend viele von denen, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, auf die Seite von Wikileaks geschlagen. In der Zeitspanne von Tagen. Das sind die Momente, in denen der Zeitgeist fast körperlich spürbar wird. Danke, Herr Blatter, grazie, Signor Berlusconi, merci, Monsieur Trichet.

Und diesen Wandel erlebt man auch abseits der Medien. Gerade auch in gut bürgerlichen Kreisen, in denen man jetzt in der Adventzeit gerne zusammenkommt, und die seit Stuttgart 21 eine neue Macht und Durchschlagskraft erahnen, erlebt Wikileaks inzwischen Unterstützung und Rückhalt. Ja sogar bei durch ein Jurastudium vorbelasteten Menschen. (Das hat mich dann doch wirklich überrascht!)

So blöd es klingt. Das Spiel der Mächtigen wird seit Wikileaks nicht mehr dasselbe sein wie zuvor. (Binse 1) Und das ist gut so! (Binse 2) Es wird weiter im Geheimen agiert werden, in allen Sphären der Macht. (Binse 3) Aber das Spiel wird schwieriger. Will man etwas tun, was nicht ganz koscher ist, sollte man sich dann jetzt nur auf mündliche Abmachung verlassen, um keine schriftlichen Spuren zu hinterlassen? Schwierig und riskant!

Das macht doch seit frühesten Kindertagen am meisten Spaß: Wenn man schon nicht mitspielen darf, obwohl man den Ball mitgebracht hat, dann diesen bösen Buben wenigstens das Spiel so richtig zu vermiesen.

Mein lieber Schwede


Was, wenn uns unser Nachbar zu gut kennt?

Die Welt lacht. Wenn sie wohl gesonnen ist, dann schmunzelt sie nur. Sie amüsiert sich über die g’schleckerten Deutschen, die ihre Hausfassaden nicht in Google Street View verewigt sehen wollen. Lieber lassen sie sich einen Pixel-Grauschleier vors Mauerwerk stellen, das sie in einer sonderbaren Ausweitung ihres Narzissmus als Teil ihrer Persönlichkeit verstehen.

Stockholm in 3-D von hitta.se

Ein seltsames Phänomen, dass jetzt teilweise wunderschöne Altstadt-Fassaden, aufwändig renoviert, in aller Hässlichkeit versteckt werden. Für viel Geld mit all den Simsen und Erkern, mit Stuckwerk und vielleicht noch Malerei verschönert, waren sie einst der Stolz ihrer Bauherren und Besitzer. Sie investierten viel Geld, um sich mit dem Haus nach außen darzustellen – und dabei auch für ein schönes Stadtbild zu sorgen.

Jetzt geht es genau anders herum. Jetzt wird alles sorgsam verschleiert, ohne Rücksicht darauf, wie sehr so das virtuelle Straßenbild bei Google Street View verschandelt wird. Jeff Jarvis nennt uns neuerdings nur noch „Blur-mans“, frei übersetzt: Schleiermänner. Eine seltsame Spezies, die sich zickt und ziert, die eigene Fassade zu zeigen. Ein implodierendes Balzverhalten, eine seltsame Bilderstürmerei gegen die höchsteigene Heimat.

Protest gegen alles Digitale

Mir kann keiner erzählen, dass die Verpixelung schöner Hausfassaden mitten in München Schwabing dem Schutz vor Dieben dienen mag. Der Protest gegen Google ist zum einen ein regressiver Protestakt gegen alles Digitale – und die von ihm verursachte Komplexität der Neuen Welt – und die damit verbundene Ohnmacht dem Digitalen gegenüber. Und wenn man sonst gegen nichts zu protestieren hat, dann halt gegen Google. Ausgerechnet am völlig falschen Produkt des Hauses!

Wie es der Zufall will, lerne ich die Tage einen neuen Kollegen kennen, ein Schwede. Auch er lächelt milde über unsere Agoraphotophobie. Er versteht die Aufregung nicht so richtig. In Schweden, speziell Stockholm, kennt man solche Straßen-Fotoservices längst. Die einheimische Firma „hitta.se“ zeigt seit 2008 Stockholm in einer dem Street View ähnlichen Art. Zusätzlich bietet der Straßenservice noch ein fotorealistisches 3-D-Modell der Stadt an, natürlich inklusive sämtlicher Hausfassaden.

Stolz auf Stockholm

Als hitta.se damals durch die Straßen Stockholms fuhr und die Stadt fotografisch erfasste, wurde dieses Projekt von der ansässigen Presse sehr positiv begleitet und das digitale Produkt dann gut promotet. Es machte die Stockholmer ein Stück stolzer auf ihre Stadt – und besser zurecht finden kann man sich dort seitdem auch. Und von einem Anstieg der Diebstähle ist auch nichts bekannt.

Gatubild von hitta.se, das Schwedische Streetview

Die Akzeptanz in Schweden muss auch nicht verwundern. Hier geht man seit je her extrem relaxt mit privaten Daten um. Erzählt mein Kollege: „Jeder kann jederzeit sehen, wer wo wohnt, wann er geboren ist, alles samt Foto des Hauses, in dem er wohnt. Das ist bei uns so.“ Ach, ja, scherze ich, und das Einkommen weiß man dann auch. „Na ja, das kostet – umgerechnet – einen Euro, dann bekommt man die Information auch.“

So ist das in Schweden. Hier gibt es keine – digitalen – Gardinen. Hier weiß jeder vieles vom anderen. Und das stört nicht, sondern wird als Qualität gesehen. Man versteht sich als großes Dorf, in dem man aufeinander achtet. Und das geht nur, wenn man auch genug übereinander weiß. – Eine Horrorvorstellung für uns Deutschen.

Die Enge des Dorfes

Ich bin eigentlich in der Stadt aufgewachsen, in München. Aber Berg am Laim, der Vorort im Osten war damals in den 60er-Jahren noch wirklich dörflich geprägt, mit Weizenfeldern, Dorfgaststätte, funktionierenden Vereinsstrukturen. Kurios nur, dass in den Dorfkern eine Straßenbahn fuhr – und dort kehrt machte.

Wenn wir – natürlich mit der Tram – zum Einkaufen fuhren oder ich in die Schule, dann hieß das: „Ich gehe in die Stadt.“ Die Stadt, die begann dann aber schon knapp zwei Kilometer später nach der Unterführung am Ostbahnhof. Für uns Kinder eine kleine Weltreise, denn dort begann die große weite Welt.

Ich hatte dann auch nichts Dringenderes zu tun nach dem Erreichen der Volljährigkeit (das war damals noch mit 21!), in die Stadt zu ziehen, nach Haidhausen – gute zweieinhalb Kilometer entfernt von meinem Elternhaus. Hier erst fühlte ich mich frei. Hier kannte mich nicht jeder, hatte sich noch kein „Bild von mir gemacht“. Hier gab es die Anonymität, nach der ich mich so sehr gesehnt hatte.

Das globale Dorf

Jetzt, ein paar Jahrzehnte später geht die Volte wieder zurück. Peu à peu entwinde ich mich der Anonymität und werde zum Citizen eines globalen Dorfes. Immer mehr Menschen erfahren immer mehr über mich, auch Persönliches. In meinem Blog, auf Twitter, via Facebook. Und ich lerne dieses zunehmend gläserne Leben zu genießen.

Treffe ich die Menschen, mit denen ich etwa auf Facebook verbunden bin ganz real, stelle ich fest, dass zwischen uns eine ganz neue Vertrautheit herrscht. Die Gespräche werden besser, tiefer, persönlicher. Der ganze Alltags-Tand und Gesellschafts-Smalltalk, der sonst solche Gespräche prägt, fällt weg. Man weiß „zu viel“ übereinander, um noch Belanglosigkeiten austauschen zu können – und zu wollen.

Das trifft dann sogar für die eigenen Familienmitglieder zu. Man erfährt so viel Neues, Persönliches, aber auch Alltägliches voneinander, dass man sich auf das nächste Familientreffen freut, weil die Gespräche besser sind – und man sich so viel näher ist.

Willkommen im globalen Dorf, lieber Michael! Mir gefällt es hier. Und mir tun die Menschen eigentlich leid, die sich bemüßigt fühlen, sich und ihr Leben mit hässlichen Pixelvorhängen verbergen zu müssen. Die sind die neuen Kleinhäusler, vor denen ich einst in die „große“ Stadt geflohen bin. Jetzt finde ich diese ausgerechnet dort wieder. (Keine Frage, mehr als genug von ihnen sind in den Vorstädten geblieben und lassen dort ihre popeligen Bausparvillen verpixeln.)

Irgendwie erinnert mich das an Kinder, die die Hände vor die Augen pressen und erleichtert seufzen: „Keiner sieht mich! Ich bin gar nicht da!“

Verlust der Deutungs-Hoheit


Die Zeitungen in Deutschland sterben 2030?

Jetzt wissen wir es endlich genau. Der amerikanische – selbsternannte – Futurist und Strategieberater Ross Dawson hat es in seinem Blog gewagt, das Ableben der Zeitungen in ihrer gedruckten Form (engl. „newspaper„) weltweit exakt zu terminieren. Das geht 2017 in den USA los, 2019 folgt Großbritannien, 2020 Kanada und Norwegen. Deutschland hat seiner Meinung nach noch eine Galgenfrist bis ins Jahr 2030. Ganz am Ende der Entwicklung stehen die Mongolei (2038), Argentinien (2039) und das komplette Afrika (2040+). (Die komplette Weltkarte dazu ist beigefügt.)

Wäre man zynisch, dann könnte man solch eine Prognose als smartes Akquisetool und Arbeitsbeschaffungsmaßnahme werten. Denn die Reaktion auf das exakt datierte Zeitungs-Dahinscheiden ist weltweit schon beträchtlich und diese Aufmerksamkeit und die Chuzpe, genaue Jahreszahlen zu prognostizieren, garantiert Einladungen zu Vorträgen, Symposien und Kongressen.

Self Fulfilling Death

Solch exakte Terminierungen sind natürlich, trotz aller Rationalisierungen, ein Unsinn. Aber sie können durchaus zu einer Selffulfilling Prophecy werden, je nachdem, wie hysterisch die Reaktion vor allem der Betroffenen ausfallen wird. Denn bei allen wirtschaftlichen und technischen Imponderabilien, die Ross Dawson aufzählt, werden vor allem Faktoren, die er in seiner Analyse nicht bedacht hat, über das Fortleben von Zeitungen in gedruckter Form entscheiden. In digitaler Form, auf Lesegeräten und Foliendisplays wird es Nachrichten- und Feature-Inhalte sowieso weiter geben. Gratis höchstwahrscheinlich oder teilweise mit verdeckter Finanzierung durch Nutznießer von stets aktuellen Inhalten – und das werden in dem zur Debatte stehenden Zeitraum kaum mehr Werbetreibende im heutigen Verständnis sein.

Papierlogistik mit angeschlossener Intelligenzia

Das Problem ist also nicht, dass wir nach einem wann immer zu datierenden Zeitungssterben ohne Nachrichten und Meinungen auskommen müssen. Das Problem ist einzig und alleine, dass bislang zu diesem Zweck Unmengen von Papier bedruckt und zu den weit verstreuten Lesern transportiert werden müssen. Die Medienhäuser heute sind eben eher Papier- und Drucklogistiker mit angeschlossener Verwaltung und – im besten Fall – mit einer kleinen angeschlossenen schreibenden Intelligenzia.  Um das Ende dieser Medienhäuser und ihres Businessmodells geht es letztendlich. Und klar ist, dass hier Länder, in denen die Logistik des Zeitungsverteilens besonders aufwändig ist, weil die Entfernungen zu den immer verstreuter werdenden Lesern weit sind, als erste vom Zeitungssterben heimgesucht werden könnten. Also etwa die USA.

Einfluss-Faktoren und blinde Flecke

Ross Dawson hat seiner Prognose eine Menge Faktoren zugrunde gelegt, die durchaus in der Bewertung der Zukunftsperspektiven von Zeitungen Sinn machen. Global gesehen: Verbreitung und Kosten von Smartphones, ePads, Bildschirmfolien, Entwicklung des Anzeigenmärkte, der Druckkosten und der Vermarktungsmöglichkeiten digitaler Inhalte. Regional haben die demographische Entwicklung, technologische Besonderheiten (Bandbreiten), Branchenbesonderheiten (z. B. öffentlich rechtliche Medien), die Besitzverhältnisse, wirtschaftliche Entwicklung, Gesetzgebung und das Kundenverhalten Einfluss auf die Lebenserwartung von auf Papier gedruckten Medien. (Alle Faktoren – auf Englisch – hier.)

Das ist alles soweit richtig, lässt aber ganz wesentliche Faktoren außer acht oder wertet sie nicht richtig. Das sind wirtschaftliche, personelle, inhaltliche und strukturelle Faktoren. Wie schnell und unbarmherzig der Umbruch von analogen auf digitale Medien gehen kann, das hat die Fotoindustrie bereits exemplarisch vorgelebt. Hier hat sich der Markt innerhalb eines halben Jahrzehnts komplett gedreht.

Quelle: GfK

Die Verkaufszahlen (der GFK) zeigen das eindrucksvoll. (Grafik anbei.) Solche Entwicklungen haben eine exponentiale Dynamik – und sind unumkehrbar. Und je schneller die Kosten für Papier, Transport und Verteilung steigen, desto schneller versagt das Businessmodell und der Punkt ist erreicht, an dem es sich nicht mehr rechnet, Zeitungen zu drucken. Der wesentliche Faktor, der diese Entwicklung beeinflusst (und beschleunigt), ist der Mensch – und zwar gleichermaßen auf der Verbraucher- als auch auf der Produzentenseite.

Zeitungen von gestern

Je nachdem in welcher Geschwindigkeit Menschen Zeitungen nicht mehr attraktiv finden und sie für verzichtbar halten, desto schneller werden Werbekunden nicht mehr Anzeigenseiten buchen – und desto weniger rentabel wird der Vertrieb.

Auslöser, warum Menschen Zeitungen für verzichtbar halten, sind auch technische Entwicklungen. Wenn man wie heute ganze Sektionen der Zeitungen am Morgen überblättern kann, wenn man aktiv News in Online-Medien verfolgt, weil man alles schon weiß und tags zuvor gelesen hat, dann lässt das so manchen überlegen, eine Zeitung nicht mehr zu kaufen oder sein Abonnement aufzugeben.

Noch schlimmer aber ist es, wenn die Qualität der Zeitungen kaum mehr mit denen der Online-Medien mithält, weil die Redaktionen kaputt gespart wurden. Bestes Beispiel ist hierfür Berlin. Wer dort die Tageszeitungen durchschaut, erlebt quer durch alle Tageszeitungen kaum mehr irgendwelchen Mehrwert gegenüber den Online-Medien.

Verlust der Bedeutungshoheit

Das viel gravierendere Problem aber ist, dass die Print-Medien drohen, die Bedeutungs-Relevanz und jede Zeitgeist-Kompetenz zu verlieren. Christian Jakubetz, Journalist und Journalismus-Dozent hat das in seinem JakBlog in 10 Thesen zur Zukunft der Zeitungen perfekt auf den Punkt gebracht: „Die Tageszeitungen vergreisen in ihren Redaktionen“.

Fakt ist: Junge Journalisten zieht es nicht mehr in Zeitungs-Redaktionen, und dort wären für sie auch gar keine Plätze frei, weil Personal abgebaut wird. So organisieren dann ältere Redakteure, die der Kündigungsschutz geschont hat, Inhalte für ihresgleichen.

Jeder Versuch, imaginäre jüngere Zielgruppen zu erreichen, muss fast notwendigerweise scheitern. Das System des Print-Journalismus ist schon lange nicht mehr für neue Ideen und neue Themen durchlässig. Dazu ist es seit langem wirtschaftlich wie ideologisch unter Druck. Hinzu kommen Standesdünkel, Selbstgenügsamkeit und Besitzstandswahrung.

Als Verleger Arno Hess und ich als Chefredakteur 1979 die „Münchner Stadtzeitung“ gründeten, waren wir damals auch Nutznießer solch einer Verkrustung der journalistischen Strukturen. Das war damals der Zeitpunkt, als durch das Aufkommen neuer Produktionsmethoden (Kugelkopfschreibmaschine, Offset-Druck) die Produktion neuer, billiger produzierter Zeitungs-Medien technisch und wirtschaftlich möglich war. Und eine neue Generation von Schreibern und Fotografen, teilweise von den Journalistenschulen, teilweise Autodidakten wie ich selbst, konnte sich hier ausprobieren. Sie konnten einen neuen, jüngeren Schreibstil entwickeln, neue Themen entwickeln, kritischer zupacken, neue optische Sichtweisen ausprobieren und nicht zuletzt eine neue Art von Service-Journalismus kreieren.

Bluttransfusion für die Zeitungen

Der wirtschaftliche und inhaltliche Erfolg der Stadtzeitungen – und in ihrer unmittelbaren Folge die Zeitgeistmagazine Tempo und WIENER – waren eine (nötige!) Bluttransfusion für einen sich damals relativ selbst genügenden Journalismus. Fast alle Autoren von damals schreiben heute in den großen Zeitungen und Zeitschriften: Spiegel, Focus, SZ, AZ, Zeit, taz, FAZ, sind im TV- und Filmbusiness oder haben eigene Verlage und Redaktionsbüros aufgemacht.

Ich war 27, als ich die Münchner Stadtzeitung gründete. Und ich war einer der ältesten der Redaktionsriege. Beim WIENER war Wolfgang Maier auch noch keine 30, als er die Chefredaktion übernahm, gleiches gilt für Markus Peichl (Tempo). Das schuf Chancen für junge Schreiber und Talente, wie sie heute undenkbar sind.

Ohne Kontakt zum Neuen

Das garantierte, dass sich die junge Generation in Stil und Inhalten wiederfand. Das war das Erfolgsrezept der Stadtzeitungen quer durch die Republik, allen voran TIP und Zitty in Berlin. Heute findet diese Generation ihre Themen und Ideen bestenfalls in Online-Medien, vor allem aber in den Sozialen Netzwerken. Sie sind für das Zeitungsbusiness ein für allemal verloren.

Wer aber die jungen Menschen als Publikum verliert, der kann keine (neuen) Themen mehr setzen, der kann nicht authentisch den Zeitgeist prägen – oder wenigstens repräsentieren. Der kann nicht wirklich Neues leisten, weder inhaltlich, noch optisch, weder rational, noch emotional. Dann hat sich ein (Massen-)Medium überlebt. Dann bleibt nur die Nische – und für die gelten völlig andere wirtschaftliche Bedingungen.

Ich halte daher die Einschätzung von Ross Dawson, dass in Deutschland 2030 die Zeitungen sterben werden, eher für zu vorsichtig. Ich stimme der Meinung von Christian Jakubetz zu: „Das Zeitungssterben kommt schneller als angenommen.“

Das blanke Handgelenk


Die Entzeitlichung der Zeit

Es passiert immer öfter, dass man von jungen Menschen angehauen wird. Nicht um Geld, sondern um Zeit: „Wie spät ist es denn?“ Nicht dass diese Jugendlichen und Jung-Erwachsenen nicht das Geld hätten, sich eine Uhr zu kaufen. Vor allem, seit diese auch schon für wenige Euro zu haben ist. Ja nicht einmal, wenn sie das Geld hätten, sich teure, schicke Uhren zu leisten, sie würden darauf verzichten.

Uhren sind uncool. So wie offene Schnürsenkel und unter dem Hüftknochen platzierte Hosen signalisieren, ich bin cool, ich werde nie einen eilenden Schritt tun, entsprechend zeigt das Fehlen einer Uhr, dass man sich nicht von der Hektik unserer Konsum-/Medien-/Geschäfts- und Arbeitswelt tyrannisieren lassen wird. Das blanke Handgelenk als schicke beiläufige Geste des Protests gegen den Status Quo.

Die amerikanische Vordenkerzeitschrift “The Atlantic“ sorgt sich daher schon darum, dass in jungen Kreisen die übliche Handgeste, wenn man auf das Handgelenk deutet, um stumm nach der Uhrzeit zu Fragen, nicht mehr funktioniert: „Was will er, wenn er dahin zeigt? Hat er Schmerzen im Handgelenk?“

Ohne Zeit keine Leistung

Sehr schön wird im Artikel im „Atlantic“ die Historie der Chronisierung und Mechanisierung der Zeit skizziert. So gesehen sind Uhren und deren Zuwachs an Macht ein Synonym für unsere Industriekultur, den Kapitalismus und das Leistungsprinzip: Leistung = Arbeit x Zeit. Was für eine Perspektive. Auf der einen Seite geht uns die Arbeit aus – und nun vaporiert auch noch die Chronologie. Wie soll sich dann Leistung noch lohnen, Herr Ackermann?

Ich bin nun ein Vielfaches zu alt, um so cool sein zu können wie die uhrlosen jungen Leute, ja auch alt genug, um es nicht mehr sein zu wollen. Trotzdem trage ich keine Uhr. Zum einen hat mich noch nie die Idee fasziniert, den Gegenwert eines Gebrauchtwagens oder gar eines Kleinwagens am Handgelenk spazieren zu tragen. Es war mir schlicht körperlich unangenehm. Warum sollte ich die Manschetten meiner Hemden hoch krempeln, um dann trotzdem noch immer kein freies Handgelenk zu haben? Und ein nettes, kluges oder witziges Wort schmückt allemal mehr als eine dicke Rolex (& Konsorten).

Entspannter Umgang mit Zeit

Jetzt ist mein Handgelenk wieder nackig, denn ich brauche längst keine Uhr mehr. Es gibt genug rundum. Im Arbeitsumfeld sowieso oder etwa am Computer, aber auch massenweise im öffentlichen Raum. Spätestens seit das Smartphone unabdingbar ist, weiß zumindest ein Apparat, den ich bei mir trage verlässlich, wie spät es ist. Das ist die rationale Seite der Geschichte. Aber steckt nicht auch ein Körnchen Attitüde dahinter? Wahrscheinlich.

Ich bin nicht der Einzige meiner Generation, der bewusst auf einen Zeitmesser verzichtet. Professor Karlheinz Geißler, seines Zeichens Zeitforscher, tut das ebenso, wie er in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung berichtet. Sein Argument für den Uhrenverzicht ist ein entspannteres Verhältnis zur Zeit. Um nicht zu spät zu kommen, ist er häufiger früher da und nutzt die verbleibende Zeit, und gesteht aus dieser entkrampften Haltung jedem Menschen auch zu, zu spät zu kommen – und definiert das als Höflichkeit. (Daran kann ich noch arbeiten.)

Wir Händler der Zeit

Den wichtigsten Punkt aber streift er nur kurz: Die Uhr als Taktgeber unserer Gesellschaft hat längst ausgedient. Wir sind nicht mehr Sklaven der Taktung nach Stunden und Minuten, wir sind inzwischen auf der nach oben offenen Skala der Souveränität zu geschickten Händlern und Kaufleuten der Zeit aufgestiegen. Wir verabreden uns nicht mehr zu festen Zeiten, sondern nur unverbindlich in groben Zeitrastern, um dann die Details on the fly, bzw. via air per Handy aktuell vor Ort zu verhandeln: „Wo bist du gerade? – Ich bin hier. – Kommst du die nächste halbe Stunde vorbei?“

An der Deflation der Zeit ist (natürlich!) auch die Digitalität schuld. Seitdem wir uns Dinge jederzeit und überall zu Gemüte führen können und wir uns nicht mehr zu fixen Zeiten vor Radios versammeln müssen, um Musik zu hören oder vor TV-Geräten, um Nachrichten zu erfahren oder eine Sendung zu sehen, ist die Zeit beliebiger geworden.

Die befreite Zeit

Zugleich ist die Zeit immer unverbindlicher geworden – und sie wird es durch unseren Umgang mit der Zeit immer noch mehr. In einer globalen Welt, die sieben Tage die Woche rund um die Uhr (!) 24 Stunden lang ohne inne zu halten funktioniert, ist die Zeit quasi deflationiert. Wir haben immer weniger davon, sie ist (uns) aber trotzdem immer weniger wert.

Das fällt am meisten auf, wenn die Zeit einmal völlig außer Kraft gesetzt ist. Fragen Sie Ihre Freunde oder Kollegen, die beim Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull  irgendwo in der Welt gestrandet sind und nicht mehr weiter kamen, wie sich das anfühlt. Erst unangenehm, dann rundum befreiend.

Evolution der Zeit

Und hier ist der nächste Schritt der evolutionären Entwicklung der Zeit zu erahnen: Über Zeit entscheidet nicht mehr die neutrale, von Wissenschaftlern definierte Zeit von Minuten und Stunden, Tagen und Jahren, sondern unser ganz persönliches Verhältnis zur Zeit. Jeder kennt das Gefühl, dass sich die Zeit verdichtet, wenn etwas interessant ist und wie sehr sich Zeit verdehnen kann, wenn dem nicht so ist.

Je mehr wir autonome Personen werden, die sich nicht von einer ideellen oder orologischen Taktung des Lebens tyrannisieren lassen, desto mehr werden wir Herrscher unserer Zeit. Und je mehr sie sich dabei verdichtet, desto wichtiger wird der Augenblick – und desto nebensächlicher wird Vergangenheit – oder wird jedes bange machen vor der Zukunft unwahrscheinlich.

Die Augenblicklichkeit – also der Genuss des Hier und Jetzt ist doch eine wunderschöne Vision. – – – Vor allem hier und jetzt, während ich mit dem Zug nach Süden fahre…

Aber halt, ich bin ja schon da und muss aussteigen… – die Zeit ist wie im Flug im Zug vergangen…

P.S.: Jetzt hat auch Spiegel Online das Thema aufgegriffen: „Der digitale Schwarm“.

Zoe’s World


Ein Blick in die Zukunft

Besuch in Berlin. Eine ganz normale U-Bahnfahrt Richtung Uhlandstraße. An der Haltestelle steigt ein Vater mit seiner kleinen, süßen Tochter im heute üblichen Sportbuggy ein. Das Einrangieren dauert in der Enge der Berliner U-Bahn. Das Kind, leise durchgerüttelt, gibt lustige Laute unter seinem Schnuller von sich. Klingt irgendwie wie „eipot, eipot“. Allmählich wird das zur klaren Forderung: „ipod!“ „ipod“

Wir haben uns nicht verhört. Tatsächlich gibt der Papa der kleinen Tochter einen iPod in die Hand. Sie nimmt das Teil zufrieden und fachmännisch, sucht sich in aller Ruhe ihr Lieblingsprogramm – scroll rauf, scroll runter – und fängt an zu spielen. Sichtlich mit großem Vergnügen und in aller Ruhe.

Alle herum staunen und schauen fasziniert dem Kind zu. Und irgendwann drehen sich die Köpfe auch in Richtung Vater. Der kennt das wohl schon und merkt entschuldigend an: „Das hat sie von der Mama, von mir hätte sie es nicht bekommen.“ Er wirkt aber sehr entspannt dabei.

Cool und relaxt, selbstverständlich

Wir kommen ins Gespräch. Sein rosa gewandetes Töchterchen ist zwei Jahre alt (in Zahlen: 2) und hat das Gerät, seit sie es das erste Mal in die Hände bekommen hat, sofort beherrscht. Man sieht es. Sie geht mit einer extremen Entspanntheit mit dem iPod um. Keine hektischen Bewegungen, alles sehr selbstverständlich, ja elegant. Und zugegeben, die winzigen Fingerchen in dem Alter sind für die Handhabung wirklich besonders gut geeignet.

Zoe heißt die Kleine und nimmt inzwischen das Interesse an ihrer Person bzw. ihrem Lieblingsspielzeug wahr. „Meins!“ spricht sie mehrmals aus ihrem Schnuller . „Meins!“ Aber als ich ihr versichere, dass ich gar nicht vorhabe, ihr ihr Spielzeug zu nehmen und ihre Fähigkeiten bestaune, ist alles gut. Sie nimmt nun sogar den Schnuller aus dem Mund und fängt an, mir ihr Spiel zu erklären.

Stimmungs-Aufheller

Ich frage den Vater, ob das Wundermittel iPod immer funktioniert? „Immer!“, versichert er mir. Und Zoe ist tatsächlich stets gut gelaunt? „Sie ist wirklich durchgängig freundlich und lustig!“ Zoe strahlt und wählt ein anderes Programm aus. Diesmal gibt es ein süßes Video mit einem kleinen animierten  Elefanten zu sehen.

Die Situation ist in sich einerseits so putzig und dabei so absurd, dass man sich unwillkürlich umsieht, ob nicht gerade ein Werbespot von Apple gedreht wird. Wird er nicht. Aber eigentlich schade drum. Ein überzeugenderes Modell als Zoe kann es eigentlich nicht geben, um die Vorteile und die positiven Effekte des iPod – und damit der kompletten Produktfamilie – zu bebildern. Was wir hier sehen ist „intuitive Nutzung“ par excellence.

Die Szene und der Umgang von Zoe mit dem Gerät und der lustigen Kommunikation, die sich daraus entwickelt, ist so positiv, dass man nur schwer die üblichen Vorurteile gegen die Nutzung aus dem Bedenkenträgerspeicher ziehen kann. Hier ist ein Kind, das die Interaktion mit seinem Spielzeug absolut zu genießen versteht. Eine freundliche, lustige Zweijährige, deren Fingermotorik extrem weit entwickelt ist, und die sichtbar von ihrer Intelligenz her ihrem Alter weit voraus ist.

Bedenkenträger mit leeren Händen

Sie spielt mit aller Freude und baut sich dabei sichtlich ihr eigenes Phantasiereich auf – und das reagiert sogar auf sie. Nur sind das keine Bauklötzchen, sondern virtuelle Pixelhaufen, mit denen sie spielt. Und statt in einem Kinderbuch, blättert sie durch (stumme!) animierte, kurze Kindervideos.

Der übliche kritische Reflex, dass Kinder in solch einem Alter so etwas nicht tun sollen, funktioniert nicht recht, nicht mal auf der rationalen Ebene. In Wahrheit gönne ich dem Kind die Freude, das es mit seinem Spielzeug hat. Und wenn es stimmt, dass sie damit nachhaltig fröhlich ist, wunderbar. Die fünf, sechs Stationen, die wir gemeinsam gefahren sind, haben jedenfalls viel Spaß gemacht. Ein kleiner Sonnenschein spielt mit viel Freude und kommuniziert fröhlich.

Irgendwann drückt mir Zoe sogar den iPod in die Hand. Von wegen: „Meins!“ Ich soll auch mal spielen. Kucke ich vielleicht nicht freundlich genug? Doch tue ich. Und dann will sie mir noch ihr Lieblingsvideo zeigen. Kurz im Menü gesucht, und – schwupps – ist es da.

Leider muss Zoe schließlich aussteigen. Wir winken ihr hinterher. Der komplette Waggon grinst und schüttelt bewundernd den Kopf. Keiner stänkert. Zoe hat uns verzaubert.

Die Ahnung einer Medien-Zukunft

Ich bin dankbar, hier einen ersten, kurzen Blick in die Zukunft der Medien erhascht zu haben. Wie werden Menschen, die von kleinauf so souverän Geräte bedienen, interaktiv tätig sind, die so viel Freude an so etwas haben und dabei so normal agieren, in Zukunft mit Informationen, Medien und Tools umgehen? – Unvorstellbar! Aber erahnbar!

Und nicht einmal jetzt am Abend, wenn ich die Geschichte aufschreibe, will sich der rationale Miesepeter aufraffen und all die Argumente, die dagegen sprechen, dass Kinder so früh mit – geeigneten! – digitalen Geräten umgehen, aufsagen.

Alles Gute, Zoe!