Corporate Content


Oder: Wie wächst man in die Herausgeber-Rolle?

Alle großen Firmen investieren heute klaglos in ihre Websites. Da wird auch nicht gespart. Vorausgesetzt es sind Einmalkosten. Für die laufende Betreuung hingegen wird gerne entweder gar kein Etat bereitgestellt oder viel zu wenig. Hier spiegelt sich noch die alte Kampagnen-Mentalität der Werbung wider. Einmal ein kreativer Kraftakt, aber dann muss Ruhe sein – und die Kunden brav kommen und ordern/kaufen/bezahlen.

Diese alte Gewohnheit, über Jahrzehnte im überkommenen Reklame-Business antrainiert, ist heute in Zeiten Digitaler Kommunikation und vor allem Sozialer Netze längst überkommen. Wer heute nicht permanent den Ball spielt, wer nicht kontinuierlich in Kommunikation investiert, wird mittel- und langfristig kaum Erfolg haben. Und in Kommunikation zu investieren heißt, konsequent Monitoring zu betreiben und unermüdlich Content zu produzieren.

Monitoring ist das Marktforschungstool der Gegenwart (und der Zukunft). Macht man das gut und intelligent (ja, dafür braucht es auch Human Brain!), dann erfährt man in Echtzeit und billig was die Kunden bewegt, was sie interessiert und was sie gegenbenenfalls wünschen. Das kann Marktforschung so kaum (mehr) liefern.

Sie kennen das Bild vom Unternehmen als Autofahrer? War Marktforschung immer nur der Blick in den Rückspiegel, anhand dessen man zielgerecht steuern sollte, so ist Monitoring heute mindestens der Blick zum Seitenfenster hinaus, manchmal erhascht man sogar einen Blick zur Frontscheibe hinaus nach vorne. (Und das bei stetig beschleunigender Fahrt!)

Und dann heißt es, auf diese Einsichten zu reagieren. Man muss also selbst kommunizieren, d.h. in letzter Konsequenz Content produzieren. Und der sollte gefälligst so interessant und spannend sein, dass er sein Publikum findet und fesselt. Das funktioniert aber nur mit Inhalten, die nicht glattpoliert und langweilig sind. Jeder erfolgreiche Medienmacher weiß, dass (nur) Inhalte, die Konflikte nicht scheuen, wirklich erfolgreich sein werden.

Um solche Inhalte zu produzieren, vor allem aber zu verantworten und die daraus resultierenden Konflikte ausstehen zu können, braucht es inhaltliche Kompetenz und eine gestandene Persönlichkeit. Oder schlicht gesagt, es braucht Mut. Gute Herausgeber von Medien haben den. Sie wissen, dass Zuschauerinteresse nicht für lau zu haben ist.

Und hier liegt die zentrale Crux von Corporate Content. Die Verantwortlichen für die Inhalte müssen lernen, Herausgeber zu werden, möglichst mutige und ingeniöse Herausgeber. Das ist nur schwer von Managern der mittleren Ebene, die ja noch Karriere machen wollen, zu erwarten. Da muß entweder ein erfahrener Dienstleister oder Fachmann von außen her, oder wenn man es partout selber machen will, muss aus dem Vorstand heraus Ermutigung kommen und klar gemacht werden, dass sich Mut und Entscheidungsfreude auszahlen.

Die neuen Herausgeber


Bratpfannen zu Content! Oder so…

Keine Frage. Gute journalistische Arbeit ist nur gegen (gutes) Geld zu haben. Gerade im Information Overflow ist man froh für jede Justierung von Tatsachen, für jede schlüssige Erklärung und natürlich besonders, wenn Missstände aufgezeigt werden – etwa durch investigativen Journalismus. Aber die Frage bleibt, wer das finanziert. Das müssen nicht zwangsweise Abonnenten von starken Medien (Zeitungen, Magazinen, TV-Anstalten etc.) sein.

RED BULLetin

Warum können das nicht ganz neue Medienanbieter sein. Zum Beispiel so kleine und wendige Neugründungen wie die Huffington Post. Oder warum nicht große Medien-Distributoren wie Vodaphone, die Deutsche Telekom, Verizon, AT&T etc. Warum nicht starke Konsumenten-Marken, die schon heute mehr und mehr Marketingmittel in eigene Medien stecken wie zum Beispiel Red Bull. Vielleicht ist ja investigativer Journalismus bald solch ein waghalsiger und riskanter Job, dass er zu einer Marke wie Red Bull passt (s.a. Red Bulletin).

Oder mal anders herum argumentiert. Wenn Medienunternehmen wie die Süddeutsche, Focus, The Guardian etc. Geld damit verdient, indem sie Wein verkaufen, DVDs oder auch Bratpfannen, warum sollten dann Produzenten von Bratpfannen (oder besser von anderen hochwertigeren Konsumentenprodukten) nicht umgekehrt in Qualitätsjournalismus investieren?

Warum sie das tun sollten? Alle großen Konsumentenmarken haben das Problem, dass sie die direkten Kundenbeziehungen an Amazon, Google und andere verlieren. Warum sollen sie den Kontakt zu ihren Kunden nicht durch gut gemachte Medien – also Journalismus – zurück zu gewinnen versuchen?

Qualitativer Journalismus kostet Geld. Aber die Frage bleibt offen, wer dafür zahlt. Womöglich in Zukunft nicht mehr (nur) der Leser oder Zuschauer. Hier hilft vielleicht ein kurzer Blick in die Geschichte des Journalismus. Die meisten Zeitungen und Magazine sind entstanden, weil Besitzer von Druckmaschinen einen Weg gesucht haben, ihre Druckpressen besser auszulasten. Dafür haben sie Magazine und Zeitungen gegründet – und Journalisten angeheuert. Alle großen Medienhäuser haben so angefangen. Und warum soll es heute anders sein. Wenn Produzenten einen Sinn in einem Engagement in Medien sehen…

Im Digitalen Zeitalter kann jeder Herausgeber sein. Jeder kann hochqualitativen Journalismus bieten – per Internet. Hans Mustermann ebenso wie große Marken. Und das müssen eben nicht zwangsweise große Medienmarken sein. Entsprechend absurd ist die Vorstellung von Paid Content als einzige Option einer funktionierenden Medienwelt. Medien haben die letzten Jahrzehnte immer davon gelebt, dass sie Marketingvehikel waren. Warum soll auf einmal einzig der Konsument für die Medien zahlen, bloß weil Marketing glücklicherweise heute das Geld nicht mehr in manipulative und impertinente Werbung investiert…